Das Thema "Armut" ist eines der wichtigsten, um das im Laufe der Kirchengeschichte gerungen wurde. Grundlage dafür sind das Leben des armen Jesus und seine Bergpredigt. Daran orientieren sich die frühen Christen, die in Gütergemeinschaft leben (Apg 2 und 4), die Wüstenväter, das Mönchstum, die Armutsbewegungen und die Bettelorden im 12. und 13. Jahrhundert, die karitativen Ordensgemeinschaften im 19. Jahrhundert, die Entwicklung der katholischen Soziallehre unter Leo XIII., schließlich die biblisch begründete Option für die Armen seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Zu allen Zeiten begegnen wir Christen, die Jesus so wörtlich wie möglich folgen wollten, und immer war das gleichbedeutend mit mehr oder weniger radikalen Formen von freiwilliger Armut.
Freilich müssen wir uns klar sein, dass unter "Armut" verschiedenes zu verstehen ist. Armut ist zunächst ein erzwungener Zustand, ein Leiden, das es zu überwinden gilt.
Armut ist auch ein freiwillig gewähltes Ideal, eine Tugend, ein Hilfsmittel zu einer größeren persönlichen Freiheit, die zum Streben nach Vollkommenheit gehört.
Entsprechend der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen wandelt sich auch das Verständnis dieses Ideals. Heute wird uns bewusst, dass die Auseinandersetzung mit diesem Ideal weithin ohne Bezug zu den Menschen geführt wurde, die tagtäglich die Armut erleiden müssen. Jesus aber wendet sich gerade an diese Armen.
CCFMC, LB 19, A

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