Der Mut des Franziskus, neue Wege des Glaubens und der Verkündigung zu gehen, gründet in seinem charismatischen Selbstbewusstsein: „Der Herr hat mir offenbart ...". Er hat an sich selbst die Kraft und das Wirken des Geistes erfahren. Dies macht nicht überheblich. Er benutzt sein Charisma nicht, um spirituelle Herrschaftsansprüche anzumelden. Im Gegenteil: er fordert jeden Bruder geradezu auf, sich seines eigenen Charismas bewusst zu werden (vgl.
In Konfliktfällen mit Brüdern, die Leitungsaufgaben innehaben, bindet Franziskus das Urteil an das Kapitel, die Versammlung aller Brüder, die höchste Instanz im Orden. Die Einführung dieser demokratischen Strukturen bedeutet für die Kirche des XIII. Jahrhunderts eine revolutionäre Wende. Franziskus hat diese christliche Lebensregel neu entdeckt, weil er um das Wirken des Geistes in jedem Bruder wusste und Strukturen schaffen wollte, die dem Wirken des Geistes angemessen sind, der für ihn der eigentliche Generalminister des Ordens ist (vgl. 2 C 193).
Franziskus benutzt das Evangelium nicht, um über andere zu herrschen. Die Achtung vor dem Wirken des Geistes führt ihn zur Achtung vor dem Menschen. Wenn die Kirche in Seelsorge und Mission stärker die Handlungsprinzipien beachtet hätte, die Franziskus innerkirchlich grundlegte, dann wären ihr viele Konflikte in der Geschichte erspart geblieben. Dies gilt nicht zuletzt auch für die ganze Franziskanische Familie und ihr missionarisches Wirken.
CCFMC, LB 25, C 1.2

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