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CCFMC News Oktober 2010

Die franziskanische Option für die Armen

Die Zahl der Armen wächst, und zwar weltweit; also nicht nur in den traditionellen Armutsregionen in den Kontinenten des Südens, sondern auch in den reichen Indus-trienationen des Nordens. Und das, obwohl dort nie dagewesener Reichtum angehäuft ist. Offensichtlich sind das rechte Maß und das Gespür für Verteilungsgerechtigkeit abhanden gekommen.

Von Franziskus könnten wir lernen, dass es anders geht. Er hat seinen Weg radikaler Armut zu einer Zeit begonnen, als das Bürgertum mit der aufkommenden Geldwirtschaft das große kapitalistische Projekt startet; ein Projekt, das aus der Perspektive der Opfer so viel Unrecht in die Welt gebracht hat. Er konnte ihn wagen, weil „der Herr ihm Brüder gegeben hat“. Mit seiner Entscheidung für die Armen wird das selbstzufriedene und auf sich bezogene Bürgertum in Frage gestellt und eine Alternative gezeigt. Franziskus spürt intuitiv, dass die neu entstehende Gesellschaft einerseits auf dem Prinzip der Aneignung beruht, das andererseits auf Enteignung gründet. Angehäufter Wohlstand hat immer auch die Armut anderer zur Folge. Er dagegen identifiziert sich ganz mit den materiell Armen und mit dem armen Christus. Denn behindert – so glaubt Franziskus - wird die Begegnung mit Menschen und mit Gott durch das Streben nach Besitz, oder durch Interessen, die Menschen entzweien. Besitztümer werden Ersatz für Beziehungen, weil sie angeblich eher Sicherheit vermitteln als Menschen. Das franziskanische Projekt will dagegen, dass sich die Menschen auf gleicher Ebene begegnen und geschwisterlich miteinander umgehen.

Mit dieser Vorstellung von Geschwisterlichkeit brachte Franziskus eine geradezu revolutionäre Idee in die Ordnungsvorstellungen von Kirche und Gesellschaft seiner Zeit. Es gibt nicht Herren und Knechte und keine Standesunterschiede. Es ist der Dreiklang der Menschenrechte und Menschenpflichten: "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit bzw. Geschwisterlichkeit". Genau diese Geschwisterlichkeit hatte Franziskus im Sinn und zweifellos gehört er deshalb zu den geistigen Vätern dieser Menschheitsvision aus christlichem Ursprung. Konsequent vermied Franziskus deshalb für sich und seine Gemeinschaft alles Hierarchische. "Kein Bruder soll eine Machtstellung oder ein Herrscheramt innehaben, vor allem nicht unter den Brüdern selbst" - heißt es in der Nichtbullierten Regel (NbR. 5,9).

Das ist wahrlich die Vision von herrschaftsfreier Kommunikation und Gleichberechtigung. Er sagt auch, wie das geht: Die Brüder sollen „durch die Liebe des Geistes einander freiwillig dienen und gehorchen". Das heißt: hinhorchen auf die Bedürfnisse des anderen, das Leben der Gemeinschaft, auf den Anruf Gottes hier und jetzt. Es ist auch hier die Spur Jesu, der Franziskus mit Entschiedenheit folgt: nicht länger die Machtspiele unter Erwachsenen, nicht länger das Machtgerangel um die besten Plätze und Positionen, nicht länger die Angst, zu kurz zu kommen.

Natürlich braucht es im Zusammenleben einer Gemeinschaft auch Ordnungen und Absprachen, aber die sollen so einfach wie möglich sein. Also keine Herrschaftsallüren, keine Besitzstände, keine Bevormundung - das ist die Vision des Franz von Assisi, die Vision von einer geschwisterlichen Menschheit. Mehr noch: es geht ihm um eine kosmisch-ökologische Demokratie mit allen Geschöpfen. Das Verhältnis zur Natur darf kein Verhältnis des Besitzes sein, sondern des Zusammenlebens und der Geschwisterlichkeit. All das erwächst aus der als Lebensform gelebten Armut; sie ermöglicht Achtung und Verehrung gegenüber allen Kreaturen und Elementen der Schöpfung. Von daher mündet die Armut in eine immense Freiheit und in eine uneigennützige Freude an allen Dingen.

Ist diese Vision vom geschwisterlichen Leben auf dieser Erde deshalb so faszinierend, weil wir sie kaum für realistisch halten und doch so dringend ersehnen? Hellsichtig hatte der Gottesnarr aus Assisi gespürt, dass ein in Besitz verliebtes Leben Solidarität zerstört und Mitgeschöpflichkeit gefährdet. Deshalb wollte er ganz besitzlos sein, deshalb wollte er alles geschwisterlich geteilt und verteilt sehen, deshalb seine Herrschaftskritik und sein Verdacht gegenüber den Machthabern in Staat und Kirche. In Zeiten sozialer Umverteilung und Kälte ist diese franziskanische Gottes- und Menschenvision aktueller denn je.

Andreas Müller OFM


 

Afrika

Kenia

Ein großer Tag für die Franziskanische Familie im englischsprachigen Afrika

Vor zehn Jahren wurde in Nairobi das franziskanische Zentrum Portiunkula eingeweiht. Das Haus hatte zwei Zweckbestimmungen: als Haus der „Franziskanischen Familie Afrikas“ (FFA) und als Zentrum für die Promotion des CCFMC in Afrika. Eigentümer ist die „Franciscan Family Association.“ Eines der Hauptziele von Anfang an war eine solide Ausbildung von Schwestern und Brüdern in franziskanischer Spiritualität. Die bescheidene Größe des Hauses setzte diesem Anliegen freilich enge Grenzen. Bedenken wir, dass etwa 30.000 Franziskanerinnen und Franziskaner in Afrika leben und dienen. Eine Erweiterung war deshalb schon lange ein sehnlicher Wunsch.

Vor etwa drei Jahren erteilte der Vorstand der FFA deshalb Fr. Hermann Borg den Auftrag, die Planung und Finanzierung eines Erweiterungsbaus auszuloten. Mit seiner zupackenden Art gelang es ihm sehr bald, diesen Traum Wirklichkeit werden zu lassen.

Am 18. September 2010 konnte das neue Haus eröffnet und eingeweiht werden. Es war wahrlich ein großer Tag für die Franziskanische Familie in Afrika.

Ehrengast der beeindruckenden Feier war der Erz-bischof emeritus Raphael Ndingi Mwana a Nzeki von Nairobi, der seit 25 Jahren Mitglied der Franziskanischen Gemeinschaft (OFS) ist und von allen nur unser „Bruder Raphael“ genannt wird. Geschätzt wird er von allen als Vorbild an franziskanischer Einfachheit, als Instrument des Friedens und als Anwalt der Menschenrechte. Die lange Reihe der Konzelebranten wurde angeführt von den zwei Provinzialen des ersten Ordens, Fr. Georg Muthaka OFMCap und Fr. Sebastian Unser OFM. Ferner Fr. Nicolas Owino FMH, der den verhinderten Provinzial der Konventualen OFMConv vertrat und – nicht zuletzt Pater Andreas Müller vom CCFMC-Zentrum in Würzburg.

Alles, was zu einem feierlichen afrikanische Gottesdienst gehört, wurde aufgeboten: liturgische Tänze, ein schwungvoller Chor, eingeübt und dargeboten von jungen Schwestern aus mehreren Kongregationen; dazu die klassischen afrikanischen Trommeln und Musikinstrumente. Die Festpredigt hielt der OFM-Provinzial, Fr. Sebastian.

Nach der zweieinhalbstündigen Eucharistiefeier segnete Erzbischof Raphael Ndingi gemeinsam mit den Konzelebranten das neue Gebäude. Es folgten die bei solchen Anlässen üblichen Reden und Dankesworte an die Adresse der Verantwortlichen des gelungenen Neubaus. Zu nennen sind hier Fr. Georg, Fr. Hermann und die Architektin des Hauses, Frau Mada, und Pater Andreas, der ein Grußwort im Namen des CCFMC Zentrums sprach.

Eine beeindruckende Darstellung der Stigmatisation von Franziskus auf Alverna sowie schwungvolle Gesangseinlagen junger Franziskaner unter der Leitung der „Kleinen Schwestern von Franziskus“ rundeten die Feierstunde ab. Schließlich wurden die etwa 300 Gäste noch mit einem festlichen Essen sowie Kaffee und Kuchen verwöhnt. Nach rund fünf Stunden konnten sie bereichert und frohgemut ihre Heimreise antreten.

Fr. Hermann Borg weist in einem separaten Beitrag darauf hin, dass das Franziskanische Zentrum für die Armen, für Straßenkinder, für Aids-Patienten, für Blinde, Kranke und Sterbende, aber auch für Schüler und Studenten, ein Ort der Hoffnung sei. Das Zentrum sei wichtig, um das Bewusstsein für die franziskanischen Ursprünge und ihre Geschichte lebendig zu halten. Der Dialog mit anderen Religionen werde ebenso fortgeführt werden wie die Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen. „Unsere Präsenz in Afrika ist nötig und erwünscht,“ betont Fr. Hermann und bittet um Spenden, damit die noch vorhandenen offenen Rechnungen beglichen werden können.

Früchte des CCFMC-Seminars mit P. Andreas Müller

Im Anschluss an die Einweihungsfeierlichkeiten im franziskanischen Zentrum in Nairobi fand dort vom 19. bis 21. September 2010 ein Seminar zum Grundkurs zum franziskanisch-missionarischen Charisma statt. Sr. Patrizia berichtet:

P. Andreas Müller vom CCFMC-Zentrum in Würzburg war der Hauptreferent. Mit seinem Impuls über die Globalisierung, die daraus für die Franziskaner erwachsenden Herausforderungen und seinen ganz persönlichen Informationen zur Entstehung des CCFMC regte er schon am ersten Tag eine höchst lebhafte Gruppenarbeit und Diskussionsbeiträge der elf Teilnehmer aus verschiedenen Ländern Afrikas an. Dabei ging es um Fragen u.a. zu den Themen:

  • Was fehlt heute in unserem franziskanischen Leben?
  • Was bedeutet Mission in unserem Franziskanischen Leben?
  • Wie sieht unsere Gesellschaft heute aus?

Mit großer Offenheit und Engagement nannten die Seminarteilnehmer Mängel in der Gesellschaft, in den Familien aber auch in der Kirche. Selbstkritisch wurde angemerkt, dass die Franziskaner zwar ein reiches Charisma hätten, dieses aber häufig nicht in ihrem Leben wirksam werden ließen, dass es vielfach an Engagement fehle, dass man in den Gemeinschaften und Kommunitäten oft nur ein bequemes Leben führe.

Mit einer Einführung in den Lehrbrief 1 eröffnete Pater Andreas den zweiten Tag. Aktiv wie schon am ersten Tag, arbeiteten die Teilnehmer an den Texten und vor allem an den Fragen, die der Lehrbrief enthält. Mit ganz besonderem Interesse und reger Beteiligung beschäftigte die Seminarteilnehmer am dritten Tag das Thema Franziskanische Familie. Welche Voraussetzungen, Eigenschaften und Haltungen müssen gegeben sein, dass Familie gelingt? Gilt das auch für die Ordensfamilie? Der Austausch zeigte, dass darüber offen und ehrlich diskutiert wurde. Wir sind noch auf einem mühsamen Weg zur idealen Franziskanischen Familie.

Was bleibt zu tun? Das war die Frage, mit der die Teilnehmer zum Abschluss des Seminars konfrontiert wurden. Einige der vielen Antworten:

  • Der CCFMC muss mehr Mitglieder des weltlichen Dritten Ordens als Kursleiter ausbilden, um eine dynamische franziskanische Jugend heranbilden zu können.
  • Verstärkte Fortbildung von Kursleitern.
  • Die Netzwerkarbeit und Vernetzung muss verstärkt werden.
  • Das Afrika-Zentrum in Nairobi muss ein gutes Beispiel für Netzwerkarbeit werden.
  • Der Süden muss mehr eigene Verantwortung für den CCFMC übernehmen.
  • Finanzielle Nachhaltigkeit ist eine große Herausforderung;lokale Finanzierungsstrategien müssen entwickelt werden.
  • Aktivitäten zur finanziellen Unterstützung des CCFMC entwickeln.
  • Franziskanisches Charisma darf sich nicht nur akademisch präsentieren.
  • Das CCFMC-Zentrum muss gestärkt werden.
  • Ordensobere und Hausobere müssen überzeugt werden, dass der CCFMC für sie ein wichtiges Instrument ist; konkret in Südafrika soll ein Neuanfang gestartet werden.
  • Einbindung von Franciscans International und Menschenrechtsgruppen in den CCFMC.
  • Ein Newsletter für Afrika.

Bleibt noch zu sagen: Den Abschluss bildete ein „Ubuntu“-Festmahl und afrikanischer Tanz aller, die am Seminar teilnahmen.

Junge Franziskaner wollen in ganz Afrika aktiv werden

Mit der Bildung einer YouFra-Arbeitsgruppe für ganz Afrika ist am Rande der Feierlichkeiten zur Einweihung des Portiunkula-Neubaus und im Anschluss an ein CCFMC-Seminar in der kenianischen Hauptstadt Nairobi eine wichtige Entscheidung für das franziskanische Leben in Afrika gefallen.

„Die Seminarteilnehmer begriffen die Ausführungen von P. Andreas Müller zu den CCFMC-Lehrbriefen, in denen die weltliche Dimension der Franziskaner dargestellt wird ... als Aufforderung. Sie schlugen daher vor, dass Jugendliche in ganz Afrika angesprochen werden sollen. Zu diesem Zweck sollen YouFra-Gruppen in allen jenen Ländern eingerichtet werden, in denen diese noch nicht existieren, und bestehende YouFra-Gruppen sollen unterstützt werden,“ berichtet Veronica N. Irungu (OFS).

An der Sitzung des YouFra-Afrika-Vorberei-tungsteams am 23. September 2010 im Portiunkula-Zentrum nahmen Sr. Margeret Awor (LSOSF) aus Uganda, Fr. Taddee Cirimwami (OFM) und Jean Francis Isia (OFS) aus der Demokratischen Republik Kongo, Sr Tholakele Cele (FSF) aus Südafrika und Veronica N. Irungu (OFS) aus Kenia teil. Geplant ist die Einrichtung eines Koordinierungsbüros für die YouFra-Aktivitäten auf kontinentaler Ebene. Auf Vorschlag von Sr. Margeret soll Veronica Irungu dieses Büro als Sekretärin leiten.

Zu den Zielen, die sich dieses neue Team gestellt hat, gehört vor allem die Verbreitung des franziskanischen Charismas unter der Jugend Afrikas durch Evangelisation; Erneuerung des franziskanischen Charismas durch die Jugend; Förderung des Dienstes an den Armen und Ausgegrenzten; Pflege und Förderung einer Kultur des Friedens in der afrikanischen Gesellschaft im Geist von Franziskus und Klara. Erreicht werden sollen diese Ziele unter Inanspruchnahme bestehender kirchlicher und Ordensstrukturen sowie in Zusammenarbeit mit dem CCFMC.

 

Europa

Rumänien

Franziskanische Familie auf Spiritualitätskurs

Zu ihrem zweiten Treffen ist die franziskanische Familie Rumäniens Anfang September im Theologischen Institut der Franziskanerkonventualen in der nordostrumänischen Stadt Roman zusammengekommen. Der ausführliche Bericht von Schwester M. Lydia steht ganz unter dem noch frischen und intensiven Eindruck dieser Veranstaltung:

An der dreitägigen Veranstaltung vom 2. – 4. September 2010 nahmen etwa 100 Schwestern und Brüder aller Ordenszweige teil. Sie kamen aus den verschiedenen Landesteilen - Bukarest, Galati, Arad, Timişoara, Caransebeş, Oradea, Cluj und Braşov. Erfreulich waren die vielen jungen Brüder und Schwestern und auch die gute Zahl von FG–Mitgliedern. Zu den geladenen Gästen aus dem Ausland gehörten P. Thaddée Matura OFM aus Frankreich und P. Andreas Müller vom CCFMC-Zentrum in Würzburg, dessen Anwesenheit besonders wichtig und hilfreich war.

„Franziskus und Klara ... der Traum Gottes,“ lautete das Motto des Treffens, das dem Lehrbrief 1 des Grundkurses zum franziskanisch-missionarischen Charisma entnommen ist. „Im Verlauf der drei Tage hatten wir die Möglichkeit, über den Traum Gottes mit jedem Einzelnen von uns zu reflektieren, und uns bewusst zu machen, dass Gott niemals aufhört zu träumen,“ schreibt Schwester M. Lydia. Alle Teilnehmer seien von dem Wunsch getragen worden, das Wort Christi, vermittelt durch das Lebensbeispiel von Franziskus und Klara zu hören, über das eigene sowie das Gemeinschaftsleben als Mitglied der Franziskanischen Familie zu reflektieren und sich dabei zu fragen: Wer sind wir?

Vor allem der erste Tag dieses Treffens der Franziskanischen Familie Rumäniens stand ganz im Zeichen des CCFMC. Nach der von Provinzial P. Emilian Cătălin OFMConv geleiteten Eucharistiefeier und dem symbolischen Entzünden von Kerzen für die 18 franziskanischen Gemeinschaften in Rumänien, führte P. Alexandru Olaru OFMConv die Teilnehmer mit zwei Vorträgen in die Grundlagen des CCFMC ein. „Dieser Spiritualitätskurs,“ berichtet Schwester M. Lydia zusammenfassend, „bietet Einsichten an, und bewirkt gleichzeitig interkulturellen Dialog, wobei die Impulse der franziskanischen Familie aus allen Kontinenten und Kulturen kommen. Der Kurs lädt alle Mitglieder der franziskanischen Familie und auch andere interessierte Personen aus der ganzen Welt ein, sich die aktuelle Situation der Erde aus der franziskanischen Perspektive und auf der Basis internationaler Erfahrungen anzusehen.“ Ein wichtiger Aspekt sei es, die individuelle und die gemeinschaftliche Verantwortung ebenso aber auch Möglichkeiten und Grenzen zu erkennen. Man müsse sich darum bemühen zu erkennen, wie im Gewissen des Einzelnen und in seinen persönlichen Erfahrungen aber auch in den Zeichen der Zeit der Plan Gottes erkannt werden kann. Hier sei besonders die Ermahnung des II. Vatikanischen Konzils in „Gaudium et Spes“ zu beachten, dass die Stimme der Welt, insbesondere aber der Ruf der Armen, aufmerksam gehört werden müsse. Das Geheimnis der Menschwerdung Jesu, Weihnachten als Fest der Feste, für Franziskus und Klara von ganz besonderer Bedeutung, war ein weiterer Schwerpunkt der Ausführungen von Pater Alexandru. „Weihnachten findet seine Fortsetzung in der Eucharistie: Gott ist ein alltägliches Geschehen der Demut. Er gibt sich Tag für Tag hin in dem Stückchen Brot, das der Mensch teilt.“

An dieser Stelle ergriff Pater Andreas Müller, maßgeblicher Organisator und Koordinator des CCFMC von den allerersten Anfängen an, das Wort und hielt ein engagiertes Plädoyer für das Anliegen des Kurses, der die Chancen und Möglichkeiten der Franziskanischen Familie in Gesellschaft und Kirche stärken und aktivieren könne.

In seiner Präsentation des zweiten Lehrbriefes des CCFMC ging P. Lucian Dumea OFMCap vor allem auf das von Gott gesegnete Charisma des Heiligen Franz ein und erläuterte den Aufbau der großen franziskanischen Familie mit seinen vielen Ordenszweigen.

Abgerundet wurde der informative Teil des Treffens mit der Präsentation der Aktivitäten der Minderbrüder in Rumänien insbesondere in Transsilvanien. P. Thaddée OFM aus Frankreich ließ die Teilnehmer des Treffens in einem zusammenfassenden Schlusswort teilhaben an seinen reichen Erfahrungen als Autor und Spezialist in der von Franziskus und Klara verkörperten Spiritualität. Dabei mahnte er an, die weibliche Dimension in der Kirche im Allgemeinen und in der Franziskanischen Familie im Besondern wieder zu entdecken.

Eingebettet in das dreitägige Treffen war auch eine Pilgerreise in die orthodoxen Klöster Neamt, Agapia und Văratec, verbunden mit kontemplativen Augenblicken und einer Reflexion über die Haupttugenden, die Franziskus als grundlegend betrachtete.

Schwester M. Lydia beschließt ihren Bericht über das Treffen in Roman mit den Worten einer Teilnehmerin: „In diesen Tagen hat sich mein Herz geweitet, weil mir erneut in der Einfachheit meines Herzens und im franziskanischen Geist bewusst wurde, dass ich berufen bin, Zeugnis zu geben und mich dabei nicht zu fürchten, weil auch ich ein Traum Gottes bin“.

 

Lateinamerika

Brasilien

Goiânia: CCFMC-Seminar zur Vertiefung des missionarischen Charismas

Die missionarische Dimension des franziskanischen Charismas mit Hilfe des Grundkurses zum franziskanisch-missionarischen Charisma (CCFMC) vertiefen und feiern; das war das zentrale Anliegen eines Treffens, das die Franziskanische Familie des brasilianischen Bundesstaates Goiás am 14. und 15. August 2010 in der Stadt Goiânia abgehalten hat.

Unter der Leitung und  beratenden Mitwirkung von Schwester Maria Fachini und der Katechetin Franciscana de Joinville/SC arbeiteten 40 Teilnehmer und Teilnehmerinnen (unter anderem von den Franziskanischen Schwestern der Unbefleckten Jungfrau Maria, den Franziskanischen Armenschwestern sowie deren Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen) die Lehrbriefe 5 bis 18 des CCFMC durch. Zum Auftakt und zur Einstimmung auf die intensive Beschäftigung mit den Inhalten der Lehrbriefe ließen wir uns in einem meditativen Lesen von Texten zur franzisklarianischen Spiritualität berühren, die unsere Beziehung zu allen Lebewesen bewusst machen sollte.

Die Ergebnisse der Gruppenarbeit zeigten, dass nach einer intensiven und kreativen Beschäftigung mit den Lehrbriefen deren Inhalte nicht nur verstanden, sondern auch - bezogen auf die Gegebenheiten unserer Zeit – unbefangen neu gelesen und interpretiert wurden. Daraus ergebe sich eindeutig die konkrete Schlussfolgerung, wie wertvoll der CCFMC als Hilfsmittel für die theoretische und praktisch gelebte Verbreitung des Charismas von Franziskus und Klara für unsere Tage ist, schreibt Maria Fachini in ihrem Bericht über dieses Seminar.

Belo Horizonte: CCFMC-Referenten in der Weiterbildung

Der Grundkurs zum franziskanisch-missionarischen Charisma ist ein unverzichtbares Instrument zur Aus- und Weiterbildung in den franziskanischen Gemeinschaften. Unter dieser Vorgabe fand am 3. und 4. Juli 2010 in Belo Horizonte im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais ein Treffen von Lehrern und Referenten der franziskanischen Gemeinschaft (OFS) statt. Organisiert und durchgeführt wurde diese Fortbildungsveranstaltung vom Regionalrat der Franziskanischen Familie Brasiliens (FFB) in Minas Gerais mit dem Ziel, die Lehrer und Referenten in ihrer Arbeit mit dem CCFMC zu unterstützen und ihnen Anregungen zu geben.  Die Teilnehmer waren Referenten und Ordensmitglieder aus verschiedenen Städten vor allem aus der näheren Umgebung von Belo Horizonte.

Unter der fachlichen Beratung von Schwester Maria Fachini ging es bei dieser Fortbildungsveranstaltung vor allem darum, die Inhalte der Lehrbriefe im Lichte der aktuellen sozialen und gesellschaftlichen Gegebenheiten zu vermitteln. Die Teilnehmer wurden ermuntert, in ihrer Fortbildungsarbeit neben den Lehrbriefen, begleitenden Feierstunden sowie anderen Materialien vor allem auch ihr Engagement und ihre Begeisterung für das Charisma einzusetzen.

 



 

Zeichen der Zeit

 

Alternative Nobelpreise - Wandel von unten

KOPENHAGEN. Für den "Wandel von unten" werden israelische und palästinensische Ärzte, Umwelt- und Menschenrechtsaktivisten aus Nigeria und Nepal und der in Brasilien tätige österreichische Bischof Erwin Kräutler in diesem Jahr mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet.

Mit dem seit 1980 vergebenen Preis der Right Livelihood-Stiftung sollen "praktische und beispielhafte Antworten auf die dringendsten Herausforderungen unserer Zeit" belohnt werden. Er ist mit 200 000 Euro dotiert und wird am 6. Dezember im schwedischen Parlament überreicht.

Die Ärztegruppe "Mediziner für Menschenrechte" (PHRI),

die 1988 zu Beginn der Intifada gegründet wurde, wird für ihren "unbezähmbaren Geist" ausgezeichnet, mit dem sie "für das Recht auf Gesundheit für alle Menschen in Israel und Palästina eintritt". Die Organisation, in der Israelis und Palästinenser Hand in Hand wirken, arbeitet mit doppelter Stoßrichtung: Mit mobilen Kliniken betreut sie Menschen, die sonst keinen Zugang zu ärztlicher Versorgung haben. Gleichzeitig propagieren die Mitglieder ein "einschließendes öffentliches Gesundheitswesen", das die bestehenden Unterschiede zwischen Arm und Reich und zwischen Israelis und Palästinensern ausgleicht. Tausenden Palästinensern konnten so ärztliche Hilfe gebracht und Schwerkranken die Überstellung in israelische Krankenhäuser ermöglicht werden.


Der Bischof Erwin Kräutler (71),

der nach seiner Priesterweihe 1965 nach Brasilien ging und dort die größte Diözese Xingu leitet, erhält den Preis für "ein den indigenen Völkern gewidmetes Leben". Vom Gedanken der Befreiungstheologie geleitet, dass ein Christ auf Seiten der Machtlosen stehen müsse, machte er sich für die Bürgerrechte der Urbevölkerung stark und verteidigt sie trotz zahlreicher Bedrohungen gegen die Übergriffe durch die Milizen der Großgrundbesitzer. Auch im Kampf gegen das riesige Staudammprojekt Belo Monte, bei dem 1000 Quadratkilometer Wald und ein Drittel der Hauptstadt Altamira überflutet würden, steht der katholische Bischof an vorderster Front.

Nnimmo Bassey (52) aus Nigeria,

Vorsitzender der Umweltbewegung "Friends of the Earth", wird für seine Bemühungen geehrt, die "ökologischen und menschlichen Kosten der Ölförderung" aufzuzeigen: "Was im Golf von Mexiko passierte, ist eine Metapher dafür, was täglich in den Ölfeldern Afrikas geschieht". Doch während in den USA keine Anstrengung gescheut wurde, die Ölpest einzudämmen, ignorieren die Ölgesellschaften die tausende Lecks, die das Niger-Delta verseuchen. Die von ihm gegründete "Aktion für Umweltrechte" hilft den Lokalgemeinden in ihrem juristischen Kampf gegen die Schäden der Ölproduktion an Menschen und Umwelt.

Shrikrishna Upadhyay (65), Nepal,

dient als Leitmotiv die Erkenntnis, dass "von oben gesteuerte Entwicklung" nicht hilft. Er gewann sie als Generalmanager machtvoller Hilfsorganisationen. Jetzt unterstützt die von ihm 1991 gegründete Organisation Sappro arme Erwerbstreibende und Dorfgemeinschaften. Deren Mobilisierung habe gezeigt, wie Armut überwunden werden kann, heißt es in der Preismotivierung. Unter Einbeziehung der Lokalbevölkerung und ihrer Traditionen fördert Sappro Trinkwassersysteme, Pfade, Gesundheitsstationen und Schulen und half beim Aufbau von Kreditgruppen und Kooperativen mit 1,3 Millionen Mitgliedern. Besonders bemerkenswert sei, dass Sappro diese Arbeit trotz der politischen Instabilität in Nepal leisten konnte, wo sie oft die einzige Organisation war, die in den umkämpften Gebieten blieb. 

Aus: tagesschau.de. von 4.10.2010