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CCFMC News Juni 2009

Die Rechte der Mutter Erde


In Bonn /Deutschland hat am 1. Juni eine zwölftägige Konferenz zum Weltklimaschutz begonnen. Rund 3000 Delegierte aus 190 Staaten bereiten die UN-Klimakonvention vor, die im Dezember in Kopenhagen verab-schiedet werden soll. Teilnehmer sind Regie-rungsdelegationen, Wirtschaftsrepräsentanten, Klimaforscher und Umweltschützer. Die Kon-ferenz ist kein lokales Ereignis, sondern ein globaler Drahtseilakt, um den Planeten Erde für die kommenden Generationen noch bewohnbar zu erhalten.

Der Chef des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), Hans Joachim Schelln-huber, nennt die Bewältigung der Klimakrise eine „beispiellose zivilisatorische Herausforderung“. Wenn es nicht gelingt, die weltweiten Treibhausgasemissionen bis 2020 um ca 20 % zu senken, wird die Klimakatastrophe kaum mehr zu verhindern sein. Was das bedeutet, ist hinlänglich beschrieben und wissenschaftlich erhärtet: ein deutliches Ansteigen des Meeresspiegels, zunehmende Dürren,  Häufung der Wetterkapriolen, Wasser- und Nahrungsmittelmangel usw. 20 % der Weltbevölkerung leben in Küstennähe, d.h. viele werden nur überleben durch eine gigantische Binnenwanderung. Aber wohin? Viele Fachleute und Umweltschützer befürchten, dass Politik und Wirtschaft nicht den Mut aufbringen, das Nötige zu tun. Es sei denn, der Druck aus der Bevölkerung wird so groß, dass sie umsteuern müssen. Doch dazu ist ein gewaltiger Bewusstseinswandel von uns allen erforderlich.

Der Präsident Boliviens, Evo Morales Ayma, hat dazu am 22. April vor der Generalversammlung der UNO, als dieser Tag zum Internationalen Tag der Mutter Erde erklärt wurde, gesagt: „Wenn das 20. Jahrhundert anerkannt worden ist als das Jahrhundert der individuellen, sozialen, politischen und kulturellen Menschrechte, so wird das 21. Jahrhundert anerkannt werden als das Jahrhundert der Rechte von Mutter Erde, der Rechte der Tiere und der Pflanzen, aller lebenden Geschöpfe und aller Wesen, deren Rechte ebenfalls respektiert und geschützt werden müssen.“ Evo Morales spricht als Angehöriger der Indios, die diese tiefe Ehrfurcht vor Mutter Erde und allem Lebenden über all die Jahrhunderte bewahrt haben, in denen die aufgeklärten Weißen in den nördlichen Kontinenten sich als Herren der Schöpfung verstanden und gebärdet haben. Die Vision von den Rechten der Mutter Erde ist weit entfernt von dem auf Verbrauch ausgerichteten Konzept, das wir Jahrhunderte lang geglaubt und gelebt haben: die Erde als Reservoir von Naturschätzen, die wir nach Belieben ausbeuten können. Da fehlte die Wahrnehmung völlig, dass die Erde wirklich unsere Mutter ist, die respektiert, geehrt und geliebt werden muss. Die indigenen Völker haben die Verbindung mit der Natur und mit der Mutter Erde bewahrt. Wir müssen erst wieder lernen, dass wir nur wirtschaften dürfen im Einklang mit ihren Rhythmus und nur produzieren dürfen mit größtmöglicher Achtung aller Biotope. Das fängt an mit unserem Konsumverhalten und endet mit der Wiederentdeckung einer Schöpfungsspiritualität, in der wir die Mutter Erde wirklich als Geschenk Gottes erkennen, das wir hüten und bewahren müssen.

Als franziskanische Menschen hätten wir diese Vision von Mutter Erde als Geschenk eines liebenden Gottes über die 800 Jahre franziskanischer Spiritualität bewahren und vermitteln können in einer Welt, die die Natur nur noch als Gebrauchswert sah, der zum Nutzen und Vorteil der Gattung Mensch auszubeuten war. Wir hätten die Einheit von Gott, Mensch und Natur als unser wichtigstes Erbe bewahren und vermitteln können, wenn wir die Mystik des Sonnengesangs des hl. Franziskus wirklich verinnerlicht und gelebt hätten. Wir sollten bekennen, dass auch wir zuweilen geblendet waren vom Glanz der Wissenschaft und Technik und zu wenig Widerstand geleistet haben. "Unsere Schwester, Mutter Erde, die uns ernährt und lenkt und mannigfaltige Frucht hervorbringt und bunte Blumen und Kräuter." Der ganze Sonnengesang ist durchzittert von der dankbaren Einsicht, dass all dies nicht selbstverständlich ist: die ganze Welt mit ihrem Schrecken und ihrer Schönheit im Glanze Gottes, die Gegenwart Gottes in allen Dingen, in den vier Elementen - vor allem aber in Menschen, die auf der Spur Jesu sind. Nichts in dieser franziskanischen Mystik der offenen Augen ist gottlos, alles in dieser Welt ist gott-haltig, gesegnet und geborgen. Das ist unsere Mission, die wir wieder entdecken müssen.

Andreas Müller OFM   


 

Afrika

Rwanda

Gleich zwei franziskanische Veranstaltungen haben im März 2009 in Rwanda stattgefunden. Jean Françis Isia Amundala OFS, berichtet im Folgenden darüber:

„Vom 21. bis 24. März 2009 fand in der franziskanischen Pfarrgemeinde von Kivumu, 40 Kilometer von der ruandischen Hauptstadt Kigali entfernt, die erste CCFMC-Sitzung der Franziskanischen Familie Rwandas statt. 20 Delegierte aller Zweige der Franziskanischen Familie aus allen Landesteilen waren der Einladung gefolgt. Pater Joseph Bishyanuka OFM und Pater Mathias Kule OFM leiteten dieses Treffen.

Während dieser vier Tage tauschten sich die Teilnehmer über folgende Themen aus: Einführung und allgemeine Präsentation des CCFMC; Einsetzung einer nationalen Koordinierungsstelle für den Kurs und Erarbeitung eines Programms. In einem offenen, dynamischen und geschwisterlichen Dialog trugen die Teilnehmer ihre Ideen, Visionen und Vorschläge vor und sprachen über aktuelle Schwierigkeiten. Dabei standen die Sorgen über die Möglichkeiten der Ausbildung und die Beschaffung der Lehrbriefe im Mittelpunkt der Aussprache. Zum Abschluss des Treffens wurde ein achtköpfiges provisorisches nationales Komitee gewählt, dessen Koordination Pater Joseph Bishyanuka übernimmt. Es wurde auch deutlich zum Ausdruck gebracht, dass die Brüder und Schwestern sich zuvor nicht persönlich kannten. Aus diesem Grund wurde beschlossen, auf der Ebene der einzelnen Diözesen Treffen zu organisieren, um die Zusammenarbeit und das persönliche Kennen lernen zu fördern.

Es gab eine Reihe von Anregungen, die der Verbesserung der Ausbildungsmöglichkeiten dienen sollen:

·         Die Einrichtung eines Versammlungsortes in jeder Diözese;

·         Die Mitarbeit der Minderbrüder OFM;

·         Der stärkere Einsatz der OFS-Mitglieder;

·         Die Übersetzung der Lehrbriefe in eine einfache Form der lokalen Sprache;

·         Die Einbeziehung der Franziskanischen Jugend (JuFra) und der Klarissen.

Das zweite Ereignis war die Versammlung der Franziskanischen Familie der Region der Großen Seen (FFRGL) anlässlich des Besuchs von P. Andreas Müller vom 25. bis 30. März 2009. Über diese  wichtige franziskanische Veranstaltung heißt es in einem weiteren Bericht ergänzend:

Nach der Begrüßung durch den Guardian von Kivumu, Pater Mathias Kule OFM, und Berichten über die aktuelle Situation in den einzelnen Ländern gab der Koordinator einen kurzen Überblick über die Entwicklung der FFRGL seit ihren Anfängen sowie auch über die schwierigen Phasen auf dem bisher zurückgelegten Weg. Das Kommen von Pater Andreas, betonte er, bedeute eine wichtige Orientierungs-hilfe. Pater Andreas seinerseits äußerte seine Bereitschaft, die FFRGL auf ihrem langen Weg zu begleiten. Er erinnerte daran, dass der Heilige Franziskus die Brüder in die Welt geschickt habe, um Pax et Bonum, also Frieden und alles Gute zu lehren. Das sollte auch für die hier Versammelten der Leitgedanke sein. Im Laufe des Treffens hat er die Diskussionen immer wieder mit Erfahrungen aus seinen internationalen Begegnungen angeregt und bereichert.

Die Berichte der einzelnen Kommissionen der FFRGL waren ein weiterer wichtiger Punkt auf der Tagesordnung dieses Treffens:

Pater Mathias Kule, Beauftragter der Kommission für Gerechtigkeit und Frieden erläuterte ein auf drei Jahre ausgelegtes Programm, das die spezifischen Gegebenheiten der einzelnen Länder berücksichtigt. Vorgesehen ist die Erarbeitung eines Aktionsplanes, die Ausbildung von Fachkräften und Gespräche mit Ortskräften, um das Terrain vorzubereiten. Wichtig sei eine aktive Mitarbeit aller Mitglieder der Franziskanischen Familie sowie die Einbeziehung und Mitgestaltung durch die Jugend.

Pater Joseph Bishyanuka, zuständig für die Kommission für Ausbildung und Studien, wies darauf hin, wie wichtig es gerade in der von Konflikten heimgesuchten Region der Großen Seen sei, den Menschen eine Kultur des Friedens zu vermitteln. Das von ihm vorgestellte Programm sieht ein enges Zusammenwirken von menschlicher, christlicher und franziskanischer Erziehung vor. Seine Kommission arbeitet bereits mit ehemaligen Häftlingen, mit Menschen, die dem Genozid entkommen sind, sowie mit Personen, die Aufgaben von öffentlichem Interesse wahrnehmen. Seine Anregungen: alle Länder sollten das Komitee der Franziskanischen Familie in ihrer Region zum Leben bringen; alle Kommissionen sollen auch auf lokaler Ebene vertreten sein.

Die Kommission für Kommunikation unter der Leitung von Herrn Pierre Gahunga Kemayire betonte die Notwendigkeit eines gut funktionierenden Kommunikationsnetzes, um eine möglichst große Anzahl von Menschen zu erreichen. Gedacht ist an die Einrichtung einer Webseite, die regelmäßige Herausgabe eines Informationsblattes und die Ausstrahlung von franziskanischen Programmen in Radio und Fernsehen.

Die Kommission für interreligiöse Beziehungen und Evangelisierung, vertreten durch Pater Jean Baptiste Tabaro, sieht ihre Aufgabe im vertieften Dialog mit den verschiedenen Glaubensgemeinschaften und sozialen Gruppierungen für ein besseres gegenseitiges Kennenlernen, den gegenseitigen Respekt, das Verständnis füreinander, die Achtung der Würde der Anderen und die Versöhnung unter den Konfliktparteien.

Leopold Fiston Gacuririzi, Leiter der Kommission für Programme, Projekte und Finanzierungen bezeichnete es als Hauptaufgabe der FFRGL, „zur Konsolidierung des Friedens in der Region der Großen Seen beizutragen.“ Vorrangige Themen seien: In Burundi die Erziehung zu Frieden und Aussöhnung. In Ruanda: Errichtung eines Bildungshauses für die Region der Großen Seen. Erziehung zum friedlichen Zusammenleben der Völker. DR Kongo: Friedenserziehung sowie Bau eines Versammlungsraumes in Nyantende. Uganda: Fortbildungsprogramme zur Stärkung der franziskanischen Geschwisterlichkeit.

Francis Isia, zuständig für die Finanzen, hält es für sinnvoll, eigene Unternehmen zu gründen, die Arbeitsplätze schaffen und einen Beitrag zur Eigenfinanzierung leisten.

 

Tororo/Uganda:

Jugend Ugandas auf dem Weg zu Franziskus

Über die erfreulichen Erfolge der CCFMC-Koordinatorin für Uganda, Schwester Margaret Awor Lsosf bei der Ausbildung franziskanischer Jugendlicher berichtet Pater Hermann Borg OFM:

 
Unermüdlich hat Schwester Margaret Awor in den vergangenen Jahren ihre Arbeit den Jugendlichen gewidmet, um sie zu reifen und verantwortungsvollen Menschen zu formen. Am 18. April dieses Jahres wurden die Früchte ihrer Bemühungen für eine größere Öffentlichkeit sichtbar und erlebbar.

Das westugandische Tororo, eine nur 20 Kilometer von der Grenze zu Kenia gelegene Stadt mit 300 000 Einwohnern, hat nicht nur eine aufstrebende Zementindustrie, die der Bevölkerung Arbeitsplätze schafft; es hat auch eine große Entwicklung in Bezug auf Spiritualität und Erneuerung genommen.

Bei einem festlichen Gottesdienst in der Kathedrale von Tororo wurden am 18. April 40 junge Menschen als Leiter der ersten 40 franziskanischen Jugendgruppen in den 40 Pfarrgemeinden dieser Erzdiözese in ihr neues Amt eingeführt. Im geschmückten Altarraum hatten sich zwei Bischöfe und ein Dutzend Priester sowie eine Gruppe von etwa 15 franziskanischen Ordensfrauen eingefunden. Der Kirchenraum war bis auf den letzten Platz besetzt, vor allem mit Jugendlichen. Geleitet wird der Gottesdienst von Weihbischof Charles. Eine der Lesungen nimmt ein Blinder Junge vor, der den Text mit Blindenschrift laut und überzeugend verliest. Pater Hermann aus Kenia hielt die Predigt und erläuterte darin die Bedeutung der Franziskanischen Berufung.

Der Weg zu einer franziskanischen Spiritualität und Erneuerung, die jetzt einen neuen Anschub erhält, war in den letzten Jahrzehnten nicht immer leicht; er führt auch durch Zeiten des Krieges und der Unterdrückung. Die jetzt mit einem so wunderbaren Erfolg gekrönten Bemühungen, die Jugend für die franziskanische Spiritualität zu interessieren und sie an sie heranzuführen, werden nicht nur eine Erneuerung des Geistes des Heiligen Franziskus bei der ugandischen Jugend fördern; sie werden sich auch positiv auf viele junge Gläubige und auf die lebendige Kirche auswirken. So haben auch einige Priester die Absicht geäußert, Kontakte zu den Weltlichen Franziskanern aufzunehmen.

Dieses Jahr 2009, in dem der 800. Jahrestag des Franziskanischen Charismas begangen wird, kann insbesondere der jungen Generation Hilfestellung bei ihrer Suche nach dem Sinn des Lebens geben.

 

Lateinamerika

Mexiko

Dynamische Entwicklung des CCFMC seit 2004

Schwester María Gabriela Alarcón Contreras OFS berichtet über die ermutigenden Entwicklungen und neuen Ansätze zum Studium des CCFMC und dessen Anwendung in den vergangenen vier Jahren:

Neue Wege haben sich eröffnet und wertvolle Ziele sind erreicht worden. Das ist in kurzen Worten das Resümee, das man für die Tätigkeit des CCFMC in Mexiko in der Zeitspanne seit dem letzten CCFMC-Auswertungstreffen in Cochabamba/Bolivien im Jahr 2004 ziehen kann. Dies findet seinen Niederschlag unter anderem in folgenden Punkten:

·     In Mexiko sind für den CCFMC jetzt neue Animatoren und Promotoren tätig.

·     Die Präsenz des CCFMC in den immer wichtiger werdenden Medien ist größer geworden. Dank der Bemühungen von Pater Luis Patiño und der Unterstützung durch Pater Manuel Figueroa OFM gibt es jetzt Werbeplätze für den Kurs im Fernsehkanal Maríavisión (SKY und Cablevisión) sowie in der Zeitschrift Ideales Franciscanos. Auf diese Weise wird der Kurs einem größeren Publikum bekannt.

·     Seit einem Jahr bildet der CCFMC einen festen Bestandteil in der Ausbildung der JuFra in der Provinz des Heiligen Evangeliums. Auf diese Weise bekommen die jungen Menschen Zugang zum franziskanischen Aspekt der Mission. Wir sind davon überzeugt, dass die Brüder um so eher das missionarische Charisma in ihrem eigenen Leben umsetzen, je früher sie damit vertraut gemacht werden.

·     Der Kurs wird in verschiedenen Bereichen erteilt: In den Einrichtungen des IFEM (Instituto Franciscano de Espiritualidad en México/Franziskanisches Institut für Spiritualität in Mexiko) jeweils im Sommer der vergangenen drei Jahre; die Teilnehmerzahl lag im letzten Sommer bei 39. Ferner als Wandereinrichtung, wobei Konvente der OFS/JuFra sowie Klöster der Klarissen besucht werden. Die Dauer ist unterschiedlich und hängt von der Dynamik und Aktivität der Gruppe ab. Der Kurs beziehungsweise einzelne Lehrbriefe werden schließlich auch in Exerzitienhäusern ins Programm aufgenommen.

·     Pater Gerardo Moore OFM, Leiter des Franziskanischen Zentrums in Guatemala, ist es zu verdanken, dass die Verbindungen zu den CCFMC-Animatoren in Zentralamerika gestärkt wurden und ein gemeinsames Erleben des franziskanisch-missionarischen Charismas ermöglicht wurde. Er hatte im September 2008 eingeladen, und es waren 50 Brüder und Schwestern verschiedener Zweige der Franziskanischen Familie gekommen, um an dem Workshop teilzunehmen.

·     Mit der Beratung und Hilfe von Pater Samuel López Padilla - vor allem aber auch motiviert durch die neuen Herausforderungen der Franziskanischen Mission und erleuchtet durch das Geschehen von „Aparecida“ – ist es uns gelungen, den Studiengang zum „Diplom für Stadt-Pastoral“ einzuführen. Erwerben kann man dieses Diplom an der Iberoamerikanischen Universität der Jesuiten. Zwei positive Ergebnisse dieses Studiengangs sind besonders hervorzuheben: 1. Es wurde vorgeschlagen einen neuen CCFMC-Lehrbrief mit dem Titel „Neue Herausforderungen für die franziskanische Mission: die Stadt-Pastoral“ herauszubringen und diesen Ihrer Bewertung anheim zu stellen. 2. Wir haben neue Methoden erarbeitet und auch bereits angewendet, um sie in die Missionsarbeit jener Brüder und Schwestern einzubeziehen, die den CCFMC  erteilen und eng mit der Arbeit in der Stadt-Pastoral der Brüder von San Diego verbunden sind. Die Brüder von San Diego leben selbst in äußerster Armut und arbeiten vor allem in den Armenvierteln am Stadtrand mit Straßenkindern, Emigranten, Drogenabhängigen und Prostituierten.

·     Das, worüber wir in den CCFMC-Kursen nachgedacht und gesprochen haben, versuchen wir bei der Betreuung von Kranken in die Tat umzusetzen. Wir tun das gemeinsam mit der FG „El Cristo“ in Coyoacán. Die Brüder und Schwestern, die sich in dieser Arbeit engagieren, erhalten eine besondere Einführung in das Thema Sterbebegleitung.

Unser Weg in den vergangenen vier Jahren war schwierig. Viele Türen, an die wir anklopften, blieben verschlossen. In anderen Fällen wurden uns offene Türen zugeschlagen und man hat uns sogar verjagt. Dennoch bemühen wir uns Tag um Tag darum, die „Vollkommene Freude“ zu erlangen.

Die Mittel, über die wir verfügen, sind die Liebe zum franzisklareanischen Charisma und die Ersparnisse derer, die sich als Animatoren in den CCFMC einbringen.

 

Argentinien

„Durch den CCFMC zur wahren Kontemplation“

Die pensionierte Lehrerin Alicia Teresa Ciardelli aus Rosario hat gegen Ende ihres Berufslebens den Kurs zum Franziskanisch-missionarischen Charisma kennen gelernt und daraus großen Gewinn für ihr Leben und ihre Spiritualität gewonnen. Darüber berichtet sie:

 
Nach 35 Jahren als Lehrerin an der Oberschule „Nuestra Señora de la Asunción“  in Rosario befinde ich mich seit Ende Mai 2008 im Ruhestand. Die Schule ist eine Einrichtung der Tertiarschwestern der Liebe, die sich der Bildung von Kindern und Jugendlichen widmet. Gegründet wurde das Institut 1880 von einer einfachen franziskanischen Ordensfrau, Schwester Mercedes Guerra, die erkannt hatte, wie wichtig es ist, die Kinder aus armen Familien, aber auch Waisen und von ihren Eltern verlassene Kinder zu unterrichten und zu erziehen. Getreu dem Charisma unserer Gründerin richtete ich meine Erziehungsarbeit als Lehrerin und später als stellvertretende Direktorin nach den Grundsätzen von Glauben und Kultur. Das bedeutet, den Einzelnen als Menschen und als Kind Gottes wahrzunehmen und zu respektieren. Als Lehrerin erzog ich meine Schüler „in Freiheit und für die Freiheit.“ In meiner Arbeit war mir immer bewusst, dass wir alle Mäßigung und Respekt brauchen, dass wir gehört, geschätzt und geliebt werden wollen.

Wörtlich schreibt Alicia Teresa Ciardelli über ihre Begegnung mit dem CCFMC: „... Im Jahr 2006 beschloss ich, am Zentrum Martín Cunz den gekürzten Kurs zum Franziskanisch-missionarischen Charisma im Fernstudium zu absolvieren.

Dieser Kurs hat mir geholfen, meine Aufgabe und Mission als franziskanische Erzieherin zu erneuern und zu aktualisieren. Ich entdeckte die wahre Bedeutung des Wortes Kontemplation für Franziskus und Klara. Diese kontemplative Dimension machte es mir möglich, mein Herz für die Liebe zu Gott und zu meinen Brüdern und Schwestern noch mehr zu öffnen. Ich bemühte mich, die Kontemplation in allen Bereichen möglich zu machen: in der Familie, in der Arbeit, mit Umgang mit meinen Vorgesetzten, mit meinen Kollegen, mit den Schülern, mit den Eltern meiner Schüler, aber auch in der Freizeit, indem ich die Frohe Botschaft verkündete und die Liebesbeziehung zu Gott zum Ausdruck brachte. Ich bemühte mich, Gott als Quelle alles Realen zu erkennen, auch dessen, was uns manchmal lästig ist oder uns schmerzt.

Mit diesem Kurs erlangten Mission, Kontemplation, das Gebet und das Zeugnis ablegen in mir eine neue Dimension; das wirkte sich auch aus auf die Liebe zu meinen Geschwistern, auf die Lösung eigener und anderer Konflikte; darauf, Leiden und Enttäuschungen mit Glauben und Hoffnung zu meistern.

„Diesem Kurs verdanke ich auch, dass ich die CCFMC Koordinatorinnen Vanessa und Mabel kennengelernt habe, mit denen mich eine geschwisterliche Liebe verbindet, die mir wiederum half, in der franziskanischen Spiritualität zu wachsen “

Heute, fast ein Jahr nach ihrer Pensionierung, schreibt Alicia Ciardelli weiter, sei sie traurig, dass sie dieser franziskanischen Gemeinschaft nicht mehr angehören könne, obwohl sie gerne ihre Erfahrungen in Beratung und Begleitung des Lehrpersonals, vor allem der jungen Lehrer, zur Verfügung gestellt hätte.

„ ... Ich unterrichte nicht mehr als Lehrerin, aber ich lebe meine franziskanische Spiritualität als eine besondere Auszeichnung. Im vergangenen Jahr absolvierte ich den Fortbildungskurs für Familienberater des Instituto Superior Don Bosco in Rosario und habe eine freiwillige Tätigkeit im Familienberatungsdienst der Diözesan-Caritas des Erzbistums Rosario aufgenommen. In Rahmen dieser Tätigkeit versuche ich, so weit es mir möglich ist, den Familien mit sehr geringem Einkommen den Weg zu Gott und zu ihren Brüdern und Schwestern zu zeigen. Ich arbeite in einer sechsköpfigen Gruppe und fühle mich dabei gut und glücklich. Der Herr hat ein Licht auf meinem Weg entzündet.“

 

 

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Barfuß in den Fußspuren Jesu –

Christuserfahrung und Nachfolge des Franz von Assisi

Br. Niklaus Kuster OFMCap


3 „Der Höchste hat mich unter die Kleinsten geführt":

 

Schlüsselerfahrungen einer langen Suche (Teil 2)

Auf seiner Sinnsuche hat der Kaufmann bisher zu einem hohen Gott gebetet. Menschliche Begegnungen ganz unten in Assisis Welt lassen ihn schrittweise entdecken, dass der Höchste überraschend handelt: ganz unten. „Gott selbst hat mich unter die Aussätzigen geführt" (Test). Die Umarmung eines Aussätzigen öffnet den Suchenden für die mystische Begegnung in San Damiano. Gott erscheint ihm da - als Freund der Geringsten - unerwartet auf Augenhöhe. Giotto hat diese überraschende Begegnung auf Augenhöhe meisterhaft dargestellt: der Gutbetuchte sieht sich vor dem nackten Christus, der Gutsituierte (mit 8 Häusern in Assisi) vor Gott, der im Regen hängt, - und geht überwältigt in die Knie:

Im folgenden Konflikt mit dem eigenen Vater lehrt das Damiano-Kreuz Franziskus, den schlimmsten Konflikt Jesu mit Menschen zu betrachten. Vom Vater bedroht, lebt Franziskus wochenlang bei San Damiano, wo wahrscheinlich der dort ansässige Priester für ihn sorgt und wohl auch eine erste Begleitung bietet. Franziskus findet auf dem Tafelkreuz die Hand des himmlischen Vaters, die seinen Sohn - den „Menschensohn" - durch Ablehnung, Hass und Leiden hindurch in sein Licht führt. Den Vater Jesu wird Franziskus wenige Wochen später als seinen eigenen Vater bekennen: den einzigen Vater in und über dieser Welt. „Von nun an sage ich nicht mehr ‚Vater Pietro', sondern ‚Unser Vater im Himmel'" (Gef 20). […].

Entscheidende Schwellenerfahrungen zeichnen im Winter 1205/06 innerhalb weniger, bewegter Monate einen entdeckungsreichen Weg. Der „Höchste" führt zu den Geringsten, antwortet im Sohn barfuss auf Erden und wird als Vater jedes Menschen erkennbar. Die Entdeckung von Jesu Menschlichkeit auf Erden lässt den Weltenherrscher der Romanik zum „Gott auf Augenhöhe" werden - ein Gott, der sich dem jungen Kaufmann außerhalb der Stadt und ihrer Kirchen, am Rand der Gesellschaft, unter den Ärmsten, in stillen Höhlen und in einer Kirchenruine offenbart.

Die Erfahrung des einen Vaters aller Menschen und des einen Sohnes, der sich den Kleinsten zum Bruder macht, führt Franziskus zu einem radikal-geschwisterlichen Weltbild. Es zeigt sich revolutionärer als Assisis Republik und quer zum kirchlich-hierarchischen Denken. […]

Hat Franziskus als Sechzehnjähriger in der städtischen Revolution erlebt, dass die Comune-Ordnung mit patriarchalen Modellen in der Gesellschaft bricht und demokratische Ideen entwickelt, radikalisiert sich sein Menschen- und Weltbild 1206 aus einer bewegenden Glaubenserfahrung heraus. Gott selber wählt die Karriere nach unten, der Höchste macht sich den Kleinsten gleich.[…].

Das sozial und kirchlich Revolutionäre dieser Spiritualität zeigt seine Konsequenzen im Vergleich zum patriarchalen Modell Benedikts, das die hierarchische Kirche bis heute leitet. Franziskus lernt den berühmten Prolog der Benediktsregel vielleicht schon im Frühjahr 1206 unmittelbar nach seiner Enterbung im Dienst der Benediktiner von Vallingegno kennen, spätestens aber als Wanderbruder, der öfter Gastfreundschaft von Mönchen genießt. Er zeichnet in seinen letzten Jahren in einem Brief an die eigenen Brüder ein bemerkenswertes Kontrastmodell:

Benediktsregel:

Höre, mein Sohn auf die Lehren des Meisters und neige das Ohr deines Herzens. Nimm die Mahnung des gütigen Vaters willig an und erfülle sie in der Tat.

Franziskus an den Orden:

Hört, ihr Söhne Gottes und meine Brüder, und vernehmt meine Worte mit euren Ohren. Neigt das Ohr eures Herzens und gehorcht der Stimme des Sohnes Gottes. Bewahrt seine Gebote in eurem ganzen Herzen und erfüllt seine Räte in vollkommener Gesinnung.

Ist für Benedikt von Nursia das Kloster eine Schule der Liebe und der Vollkommenheit „unter Abt und Regel“, wird Franziskus wandernd Glaubensgemeinschaft in der Nachfolge eines geschwisterli-chen Gottessohnes suchen.