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CCFMC News April/Mai 2009

Die Mission einer Laienbewegung


Im Februar 1208 hört Franziskus die Aussendungsrede Jesu „Geht und verkündet: Das Himmelreich ist nahe. Heilt Kranke, weckt Tote auf, macht Aussätzige rein, treibt Dämonen aus! Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben. Steckt nicht Gold-, Silber- und Kupfermünzen in euren Gürtel“ (Mt. 10,7-9). Begeistert und tief bewegt ruft er aus: „Das ist es, was ich will, das ist es, was ich suche, das verlange ich aus Herzensgrund, zu tun!“ (1 Cel 1,22). Es ist der Beginn einer neuen Bewegung in der Kirche.

Und es ist der Beginn einer neuen Mission: Der arme Wanderprediger Jesus von Nazareth wird wieder lebendig und erfahrbar. Er, der gekommen war, um den Armen eine Frohe Botschaft zu verkünden, wird für Franziskus zu Inhalt und Form seiner Mission. In seine Fußstapfen will er treten. Die Mühseligen und Beladenen, die in den prächtigen Kathedralen, den mächtigen Klöstern und reichen Städten des Mittelalters ganz aus dem Blick geraten sind, sollen Gottes Vorliebe für die Armen wieder erspüren. Deshalb wählt er die Armut. Denn nur, wer selber arm ist, kann fühlen, wie es denen ergeht, die immer ganz unten sind und von den Brosamen der Reichen leben. Und nur, wer nicht an feste Orte gebunden ist, kann dorthin gehen, wo die Menschen an ihre Not gefesselt sind. Ihnen die befreiende Botschaft des Evangeliums zu bringen, wird seine und seiner Brüder Mission. Denn kaum hatte Franziskus sieben Brüder, schickte er sie zu zwei und zwei in alle vier Himmelsrichtungen, um den Menschen diese tröstende Botschaft zu bringen. Nicht nur mit Worten, sondern wie Jesus mit Wort und Tat.

Im Frühjahr 1209 ist ein Jahr vergangen seit jenem Erlebnis in Portiuncula. Da glaubte Franziskus, dass es nun an der Zeit wäre, seine Bewegung der Kirche vorzustellen: „Ich sehe, Brüder, dass der Herr unsere Gemeinschaft gnädig mehren will. Gehen wir also zu unserer Mutter, der heiligen Römischen Kirche, und melden wir dem Papst, was der Herr durch uns zu wirken begonnen hat, damit wir seinem Willen und Geheiß entsprechend weiterführen, was wir begonnen haben“ (3Gef, 46). Der Papst sollte sehen und erfahren, was der Herr durch sie begonnen hat. Auch hier wieder diese innere Gewissheit: der Herr hat mir gegeben. Die Brüder, die sich Franziskus angeschlossen haben, lebten mit den Armen und wie die Armen, waren bis ins innerste betroffen vom Elend der Leprosen und Ausgeschlossenen. Die Botschaft des armen Jesus von Nazareth wurde unter ihnen wieder spürbar und lebendig. Das sollte die Kirche erfahren. Also wanderten die zwölf Brüder in ihren rauen Kutten nach Rom, um sich dem Papst vorzustellen. Weil auch der Bischof von Assisi gerade in Rom weilte und die Brüder über alles lobte, blieb dem Papst nur noch übrig, zu bestätigen, was Gott durch Franziskus begonnen hatte. „Da der Papst eine besondere Unterscheidungsgabe besaß, stimmte er den Wünschen des Heiligen in gebührender Weise zu, gab ihm und seinen Brüdern noch über vieles Ermahnungen, segnete sie und sprach: „Geht mit dem Herrn, Brüder, und, wie er allein euch einzugeben sich würdigen wird, predigt allen Buße“ (3Gef, 49).

Die Parallelen sind augenscheinlich. Jesus sammelt zwölf ausgewählte Jünger um sich und traut ihnen zu, seine Mission fortzusetzen. Es waren Fischer, Handwerker, kleine Beamte, also alles Menschen, die nicht zur theologischen Elite seines Volkes gehörten, aber offen waren für den Geist Gottes, den ihnen Jesus verheißen hatte. Auch die ersten Gefährten des Franziskus waren Leute aus dem Volk. Bauern und Handwerker, einfache und vornehme Leute, denen Franziskus seine Vision von einer anderen friedvolleren Welt zu vermitteln vermochte. So entstand eine Bewegung, die frei war von allem Haben- und Herrschenwollen. Und die auf diese Weise das Evangelium wieder als leuchtende Botschaft der Befreiung und der Hoffnung vermitteln konnten. Papst Innozenz III., der mächtigste Papst des Mittelalters, hat das erkannt und hat dieser Laienbewegung alle Vollmacht zur Verkündigung erteilt. Er hatte die Zeichen der Zeit verstanden.

Wenn wir das franziskanische Charisma 800 Jahre nach diesem Ereignis richtig verstehen und feiern wollen, müssen wir als franziska-nische Menschen wieder diese innere Gewissheit haben für das, was Gott uns gegeben hat; und wir müssen in der Kirche wieder einfordern, dass Laien ein unverlierbares Recht haben zur Verkündigung, weil Gott sie berufen und gesandt hat.

Andreas Müller OFM


 

Afrika

Kenia: CCFMC-Seminar für Ostafrika

In der kenianischen Hauptstadt Nairobi ist Ende März ein dreitägiges CCFMC-Seminar für Ostafrika zu Ende gegangen. Francis N. Kamau OSF und Naku Charles Lwanga JuFra berichten darüber:

Der Einladung zum CCFMC-Seminar für Koordinatoren und Animatoren vom 19. bis 27. März im Rosa Mystica Exerzitienhaus waren 37 Mitglieder der Franziskanischen Familie aus Ostafrika gefolgt. Neben OFM und OFMCap waren Vertreter aller Zweige der franziskanischen Familie aus den Ländern Ostafrikas zu diesem Ereignis in die kenianische Hauptstadt angereist. Die besondere Bedeutung des Seminars wurde durch die Anwesenheit von Pater Andreas Müller unterstrichen. Die Organisation des Seminars lag in den Händen der CCFMC-Koordinatorin für Kenia, Sr. Venantius, die dabei tatkräftig unterstützt wurde vom CCFMC-Koordinator für Afrika, Bruder Hermann Borg OFM.

Sein Auftaktreferat zum Thema „Franz von Assisi – eine radikale Alternative in einer globalisierten Welt“ gliederte Pater Andreas Müller in neun Punkte:

  •    Der Beginn einer Bewegung
  •    Eine andere Spiritualität
  •    Der Schlüssel: Leben ohne Besitz
  •    Nicht Almosen, sondern Gerechtigkeit
  •    Armut als Voraussetzung für Geschwisterlichkeit
  •    Der ganz andere
  •    Bruder Franz
  •    Der Kirche untertan und doch ganz frei
  •    Franziskanische Utopie

Wir müssen lernen, erklärte Pater Andreas, das franziskanische Erbe in unsere Zeit zu übersetzen und die Herausforderungen heute in eine franziskanische Perspektive zu rücken. Das Zweite Vatikanum hat dazu die Initialzündung gegeben.

Nach diesem Einführungsreferat von Pater Andreas befassten sich die Teilnehmer in sechs Arbeitsgruppen mit dem Thema gelebter franziskanischer Spiritualität in Afrika. Armut und ihre Ursachen kamen in den Arbeitsgruppen ebenso zur Sprache wie die zuweilen negativen Auswirkungen von ungerechten Strukturen der globalen Ökonomie auf die Verkündung des Reiches Gottes. Unser franziskanisches Charisma sollte uns ermutigen, das Christentum ohne Angst zu verkünden. Das franziskanische Charisma unterscheide sich vom Modell der herkömmlichen Mönchsgemeinschaften. Nicht mehr fest gefügte Gemeinschaft hinter Klostermauern, sondern die Welt als Kloster. Nicht mehr Sorge für das eigene Seelenheil, sondern Sorge für das umfassende Heil des Gottesreiches, also auch Sorge für Gerechtigkeit, Frieden, Bewahrung der Schöpfung.

Die Gruppe, die das Thema „Leben ohne Besitz“ bearbeitete, kam zu folgender Schlussfolgerung: man müsse nicht sein Auto und sein Haus weggeben; wohl aber müsse man sich im Herzen unabhängig davon machen, um das teilen zu können, was Gott uns, also den einzelnen Gemeinschaften um des Reiches Gottes Willen gegeben habe. In seiner zweiten Ermahnung sagte der Heilige Franziskus, wir sollten unseren eigenen Willen nicht als unser „Eigentum“ betrachten. Und wie Franziskus sollten auch wir Franziskaner wieder mehr Mut haben, unserer inneren Stimme folgen, solange sie nicht vom Evangelium abweicht.

Im heutigen Ostafrika sollten die Franziskaner die brennenden Themen Gewalt, Hass, Stammesfehden, Hunger und Umweltzerstörung furchtlos aufgreifen. Sie sollen die katholischen Bischöfe, den Nationalen Kirchenrat Kenias (NCCK), sowie die Menschenrechtskommissionen aufrütteln, damit diese sich mit der Regierung mutig auseinandersetzen. Der NCCK habe beispielsweise Neuwahlen gefordert, um das Mandat der Regierung zu erneuern; die katholischen Bischöfe hätten dies jedoch abgelehnt. Wir Franziskaner sollten dem Beispiel des Heiligen Franziskus folgen und die Kirche durch unser gelebtes Leben von innen heraus zu einem neuen Denken herausfordern.

Wir Franziskaner dürften uns nicht durch Ablehnung, Missverstehen oder Leiden davon abbringen lassen, eine Stimme der Stimmlosen zu sein. Nur so könnten wir die Millenniumsziele der Vereinten Nationen erreichen. Erniedrigung und Ablehnung dürften nicht dazu führen, dass wir für die Unterdrückung der Armen blind werden. Eine der Arbeitsgruppen machte den Vorschlag, in einem Schreiben an die Regierung die Missstände im Lande – Ungerechtigkeit, Korruption, Wasserverschmutzung, Ernähungskrise etc. – anzuprangern.

Die Franziskanische Utopie werde dann Realität, wenn es den Menschen ermöglicht werde, in Solidarität und mitfühlender Gerechtigkeit zu teilen und Wege zur Beseitigung der Armut zu entwickeln, so dass es jedermann möglich ist, seine Grundbedürfnisse ohne Kämpfe zu befriedigen. Jedermann in Ostafrika könne einen Beitrag zur Harmonie leisten, wenn alles zum Wohl der Gemeinschaft geteilt werde.

Mit großer Zustimmung wurde der Vorschlag aufgenommen, dass Kenia das Zentrum für CCFMC-Fortbildung wird. Kenia sei das „Tor nach Afrika“ und läge fast im Zentrum der englischsprachigen Länder Afrikas. Es könne auch ein Bindeglied zu den frankophonen Ländern wie Kamerun, Ruanda, Burundi und dem Westen der Demokratischen Republik Kongo sein.

Nach den arbeitsreichen Tagen des Seminars war der letzte Abend dem Austausch von Ideen und Lösungsvorschlägen, vor allem aber der Würdigung der Person und des persönlichen Einsatzes von Pater Andreas für die Verbreitung des franziskanischen Charismas in Afrika gewidmet.

 

Lateinamerika

Karibik

Bilanz des CCFMC in den Ländern der Karibikregion

Die kontinentale Generalversammlung des CCFMC in Lateinamerika vom 13. bis 15. Oktober 2008 in Brasilia hatte unter anderem die vorrangige Aufgabe, sich über den aktuellen Entwicklungsstand, die Probleme sowie auch die Perspektiven in den einzelnen Regionen des Kontinents zu informieren und damit auseinanderzusetzen. Pater Luis Patiño Santacoloma OFM aus Cali/Kolumbien legte den Bericht für die Länder der Karibikregion vor:

Allgemeines

Zur Karibikregion gehören Kolumbien, Kuba, Haiti, Mexiko, Puerto Rico, die Dominikanische Republik und Venezuela. In allen diesen Ländern ist es gelungen, den Kurs für Franziskanisch-Missionarisches Charisma einzuführen und Persönlichkeiten zu gewinnen, die den CCFMC weiter begleiten und sich für ihn einsetzen. Die Nationalen Koordinatoren sind: Sandra Liliana Sarria (Kolumbien), Lionel Pérez Frías (Kuba), María Gabriela Alarcón (Mexiko), Ramona Valdéz (Dominikanische Republik) und María Consuelo Núñez (Venezuela). Die Region wird von einem kleinen und einfachen Büro in Cali von Sandra Liliana Sarria und Sonia Tabares betreut.

Kolumbien

In Kolumbien haben etwa 200 Personen an dem Kurs teilgenommen. Unsere Kontakte zur Franziskanischen Familie Kolumbiens und Teilnahme an den nationalen Kapiteln der OFS waren dabei sehr hilfreich. Es wurde eine enge Verbindung mit der Interfranziskanischen Kommission für Gerechtigkeit und Frieden entwickelt. Diese Kommission unterstützt uns bei der Verbreitung des Kurses, unter anderem auch in ihrer Schule für Franziskanische Spiritualität, die Studien zu einzelnen Themen des Kurses erarbeitet. Die Ergebnisse dieser Studien werden einen äußerst wertvollen Beitrag zu den jetzigen und künftigen Lehrbriefen des Kurses leisten, insbesondere im Hinblick auf gesellschaftspolitische und Gender-Fragen.

In Cali unterstützt der CCFMC mit persönlichem Einsatz die „Gruppe Tau“, zwei Gruppen des Weltlichen Dritten Ordens sowie die Franziskanische Schwesterngemeinschaft „Senfkorn“ (Semilla de Mostaza), die systematisch mit dem Kurs arbeitet und Nachdenken zu den einzelnen Themen fördert.

Schule für franzisklarianisches Charisma: Diese Schule wurde vom CCFMC gegründet und wird von ihm begleitet. Zu ihren Aufgaben gehört die Verbreitung des Kurses sowie der damit zusammenhängenden Workshops, Gruppenveranstaltungen und Veröffentlichungen zum Gründungscharisma. Seit acht Jahren veranstaltet diese Schule einen Kurs zu den Hagiographien und den schriftlichen Quellen unseres Charismas. Dieser Kurs wird erteilt von Pater Fernando Uribe, einem anerkannten Experten für mittelalterliche Geschichte und franziskanische Studien, der in Rom an der franziskanischen Universität Antonianum lehrt. Der Kurs besteht aus einer jährlich stattfindenden einwöchigen Blockveranstaltung, zu der sich die Teilnehmer nach Bogotá, Cali und Medellín begeben. Folgende Themen werden bearbeitet: Franziskanische Evangelisierung, Einführung in die franziskanischen Hagiographien; die Bullierte Regel; die Lebensform der Heiligen Klara; die Ermahnungen; die Legenda Maior; Beten wie der Heilige Franz von Assisi; Franz von Assisi heute. Die durchschnittliche Teilnehmerzahl lag bei 80 Personen.

Veröffentlichungen: Aus Anlass des 800. Jahrestages des Franziskanischen Charismas hat die Schule für franzisklarianisches Charisma mit der Veröffentlichung einer Buchreihe namens KARISMA begonnen. Der erste Band dieser Reihe mit dem Titel „Franziskus und Klara lesen - Ihre Schriften“ ist bereits veröffentlicht; sein Autor ist Pater Fernando Uribe. Soeben erschienen ist der zweite Band der Reihe, der den Titel trägt „Beten wie Franziskus“.

Die Schule für franzisklarianisches Charisma steht in enger Verbindung und Zusammenarbeit mit zwei anderen Schulen, die den Franziskanern in Kolumbien und dessen Nachbarländern zur Verfügung stehen: die Juan-Duns-Scoto-Schule der kolumbianischen Franziskanerprovinz San Pablo und die Schule für Franziskanische Spiritualität der Interfranziskanischen Kommission für Gerechtigkeit und Frieden. Diese drei Schulen arbeiten an gemeinsamen Programmen.

Die Teilnahme am Nationalkapitel der OFS Kolumbien in Medellín bot die Gelegenheit, den Regionalministern den CCFMC vorzustellen.

Kuba

Die Franziskanische Familie Kubas wurde im Jahr 2001 in Havanna gegründet. Ihr Präsident ist derzeit Diakon Lionel Pérez Frías, der auch die Caritas Kubas leitet. Eines seiner Hauptanliegen ist die Verbreitung des CCFMC im Lande. Die kürzliche Wiedereröffnung der Franziskanerkirche in Havanna bietet die Möglichkeit, dort mithilfe der Missionszentrale der Franziskaner (MZF) aus Bonn ein Zentrum für Franziskanische Spiritualität zu gründen. Sobald dies geschafft ist, hat der CCFMC gute Chancen, im Land angenommen zu werden, da sowohl bei vielen OFS- und JuFra-Mitgliedern aber auch manchen franziskanischen Frauengemeinschaften großes Interesse für franziskanische Spiritualität zu verzeichnen ist. Schließlich ist anzumerken, dass der Weltliche Dritte Orden (OFS) den Kurs zum Franziskanisch-Missionarischen Chrisma in die reguläre Ausbildung seiner Mitglieder aufgenommen hat.

Dominikanische Republik

Die jüngere Geschichte der Pflege und Verbreitung des franziskanischen Charismas in der Dominikanischen Republik geht auf das Jahr 1995 zurück, als der Nationale Rat der OFS die dringende Notwendigkeit erkannte, in ihren Gemeinschaften das Wissen über das Charisma, über die franziskanische Spiritualität und den Sinn für die Zugehörigkeit zum Orden zu fördern und zu vertiefen. Im Jahr 2000 lernt Pater Demetrio de la Cruz OFMCap den CCFMC kennen. Jedoch erst nach einer schwierigen und auch von Rückschlägen geprägten Zwischenphase wurde auf Anregung des Internationalen Rates der OFS ein Aktionsplan ausgearbeitet und ein Fortbildungsteam aufgebaut, das in den verschiedenen Landesteilen vor Ort die Fortbildung nach humanen, christlichen und franziskanischen Maßstäben in die Wege leitete.

Mit dem ganz besonderen Engagement der Nationalen Fortbildungsbeauftragten, Schwester Ramona Valdez, wurde 2004 ein auch vom Nationalrat gebilligtes Bildungsprogramm erarbeitet. Darin wurden die regionalen Ordensgemeinschaften aufgefordert, Mitglieder zu entsenden, die als Multiplikatoren geeignet sind. Mit ihrer Hilfe sollten in den einzelnen Regionen Schulen wieder errichtet werden, in denen den Brüdern und Schwestern nicht nur franziskanische Spiritualität und Charisma vermittelt wird, sondern auch Grundlagen der Theologie und der Kirche als Einheit.

Was ist erreicht worden? Eine umfassende Ausbildung der OFS-Brüder und –Schwestern auf nationaler Ebene. Multiplikatoren, die auf regionaler und lokaler Ebene ihr Wissen in die Gemeinschaften tragen. Bereits zwölf der insgesamt 16 Regionalverbände verfügen über eigene Schulen. Die noch fehlenden sind in Vorbereitung.

Was muss noch erreicht werden? Die Einbeziehung weiterer Gruppen von Brüdern und Schwestern in das Projekt. Dazu sind finanzielle Mittel nötig; freiwillige Lehrer für den Unterreicht gibt es bereits. Wünschenswert wäre jetzt eine Erweiterung auf den kompletten CCFMC-Kurs.

CCFMC: Die CCFMC-Lehrbriefe dienten bei der Fortbildung von 40 Brüdern und Schwestern zu Multiplikatoren als Lehrmaterial. Diese wiederum verwenden die Lehrbriefe in den regionalen Kursen, an denen mehr als 600 Personen teilnehmen. Verwendet werden dabei nur die ersten sechs Lehrbriefe. Auf Initiative von Schwester Ramona Valdez wird bei der Grundausbildung von 14 Klarissen der komplette Kurs verwendet.

Venezuela

Schwester María Consuelo Núñez OFS hat eine zwanzigköpfige Gruppe organisiert, die den Kurs systematisch bearbeitet. Bei den Franziskanischen Schwestern der Barmherzigkeit gehört der Kurs zur ständigen Ausbildung.

Zu Haiti und Puerto Rico lagen keine Landesberichte vor. Ein ausführlicher Bericht zur Lage des CCFMC in Mexiko wird in den Juni-News erscheinen. (Die Redaktion.)

Anregungen und Perspektiven

·     Die Mehrheit derer, die sich für den Kurs interessieren, verfügen über eine mittlere Schulbildung; für sie ist die Sprache in den CCFMC-Lehrbriefen nicht leicht zu erfassen. Daher sollten eine einfachere Sprache und weiteres Material zum Einsatz kommen. Die Lehrbriefe sind eine Möglichkeit für Personen, die sich ein weitergehendes Studium der Materie leisten können.

·     Es wäre nützlich, Lehrbriefe mit einer einfacheren Sprache zu erarbeiten. Als Einführung vor dem Beginn des eigentlichen Kurses schlagen wir die Benutzung des Buches „Franziskus für Dich“ vor. Die zweite Ausgabe dieses Buches ist in Vorbereitung.

·     Das Talent einzelner Personen und die knappen Mittel müssen optimaler für die Förderung des franzisklarianischen Charismas genutzt werden. Menschen unterschiedlichster sozialer Herkunft, gesellschaftlicher Positionen sowie auch religiöser Zugehörigkeit suchen nach einem Sinn in ihrem Leben. Mit den Mitteln des Kurses und den Fähigkeiten der franziskanischen Brüder und Schwestern könnten und sollten wir viel eher diesen Menschen einen Weg der Erleuchtung aufzeigen, als das Charisma nur als Mittel zu Gewinnung neuer Berufung für die Ordensgemeinschaften zu sehen.

In diesem Sinne haben wir seinerzeit bei einer Tagung des Internationalen Leitungsteams in Deutschland erklärt, dass der CCFMC nicht nur ein Kurs sein darf, sondern eine internationale Bewegung sein muss.

 

Europa

Rumänien

Interfranziskanisches Treffen in Singureni

Über das erste Treffen der Arbeitsgruppe der franziskanischen Familie Rumäniens Anfang März in Singureni berichtet Schwester Lydia von den Franziskanerinnen von Salzkotten, Caransebeş:

Das ökumenische Treffen 2007 in Sibiu/Hermannsstadt hatte bei den Schwestern und Brüdern der franziskanischen Ordenszweige in Rumänien den Wunsch nach gegenseitigem Kennenlernen und Verstärkung der Beziehungen untereinander geweckt. Nach einigen misslungenen Versuchen fand am 7. März 2009 dann das erste Treffen der Arbeitsgruppe der franziskanischen Familie Rumäniens in der Kommunität der Franziskanerinnen Missionarinnen von Assisi in Singureni statt, um eine Basis für die franziskanische Familie zu schaffen.

Zu den sieben Teilnehmern und Teilnehmerinnen gehörten: Pater Peter Guzranyi OFM; Pater Alexandru Olaru OFMConv; Schwester Corina Benko von der Franziskanerinnen Missionarinnen von Assisi, Bukarest; Schwester Pacifika Lorincz von den Franziskanerinnen von Mallersdorf, Odorheiu Secuiesc; Schwester Clareta Mandulova von der Kongregation der Töchter des Heiligen Franziskus, Temeswar; Frau Lucia Mamulea vom weltlichen Orden des Heiligen Franziskus, Bukarest; Schwester Lydia Fecheta von den Franziskanerinnen von Salzkotten, Caransebeş.

Nach einer ersten Vorstellung der Teilnehmer, ihrer persönlichen Arbeitsfelder sowie ihrer Ordensgemeinschaften wählte die Arbeitsgruppe Schwester Corina Benko zu ihrer Präsidentin und Schwester Lydia Fecheta zur Sekretärin.

In einer offenen, dynamischen und geschwisterlichen Aussprache äußerten die Teilnehmer und Teilnehmerinnen Ideen und Vorschläge. Ansatzweise wurden auch die augenblicklichen Schwierigkeiten erwähnt. Folgende Punkte wurden konkret genannt:

Wir kennen uns untereinander kaum, und unsere Beziehungen zueinander sind sehr schwach. Es fehlt spirituelles Material in rumänischer Sprache (franziskanische Schriften und Quellentexte). Wir suchen nach Mitteln, um uns bekannt zu machen, und das Evangelium im Geiste des Heiligen Franziskus zu verkünden.

Es wurde auch des 800. Jahrestages des franziskanischen Charismas gedacht und der Wunsch geäußert, eine nationale Begegnung zu organisieren, an der die Mitglieder der franziskanischen Familie in größtmöglicher Zahl teilnehmen sollten.

Ein weiteres Thema war die Erstellung eines franziskanischen Breviers, an dem bereits gearbeitet wird und zu dessen Fertigstellung ermutigt wurde. Auch die Übersetzung franziskanischer Schriften und Quellentexte ins Rumänische ist bereits in Angriff genommen. Aus dem Wunsch, sich gegenseitig besser kennen zu lernen, entstand der Gedanke, eine Web-Site der franziskanischen Familie einzurichten, in der jede Kongregation und jeder Orden sich vorstellen kann. Vorgeschlagen wurde der Name: www.familiafranciscana.ro .

In die Überlegungen wurde auch der Kurs zum franziskanisch-missionarischen Charisma einbezogen, der als CCFMC in deutscher Sprache angeboten wird, dessen Übersetzung ins Rumänische derzeit aber stagniert. Es wurde auch vorgeschlagen, den Kurs für die Brüder und Schwestern in Siebenbürgen ins Ungarische zu übersetzen. Die Idee eines kompletten und aktualisierten Kurses der franziskanischen Spiritualität wurde von der Arbeitsgruppe mit Freude und Enthusiasmus aufgenommen. Auf dem Weg zur Umsetzung dieser Idee folgt als erster Schritt die Anfrage um Zustimmung bei den Ordensoberen und –oberinnen der franziskanischen Familie.

Die nächste Begegnung wird am 23. Juni 2009 in Caransebeş stattfinden.

 



Barfuß in den Fußspuren Jesu –

Christuserfahrung und Nachfolge des Franz von Assisi

Br. Niklaus Kuster OFMCap


3 „Der Höchste hat mich unter die Kleinsten geführt":

Schlüsselerfahrungen einer langen Suche

Zeitgleich zur Entdeckung der Stille in Höhlen und den Wäldern außerhalb der Stadt wird der junge Kaufmann auch auf die Schattenseiten seines sonnigen Assisi aufmerksam. Bisher war das belebte Zentrum der Kleinstadt seine Welt: die Bürgerhäuser der führenden Zünfte, die edlen Geschäfte im Zentrum, die Piazza selbst. Noch heute verirrt sich kaum eine Touristin in die schmutzigen Gassen der Unterstadt - enge, verwinkelte „vicoli", schattige, sonnenarme Hinterhöfe, die Häuser der Arbeiterfamilien.

Franziskus, der innerlich nach neuer Lebensfreude und nach Sinn bettelt, entdeckt die Arbeiter und die Arbeitslosen, die Bettlerinnen und die Armen Assisis. Und es zieht ihn immer weiter hinunter, unter die Menschen am Rand, im Schatten der Stadt. Wege hinauf, in die Stille, lassen den jungen Bernardone inneren Frieden finden, und Wege hinunter, unter die Armen, für die er den eigenen Tisch deckt, führen durch zwei Jahre zu zunehmender Zerrissenheit. Beide Suchbewegungen bereiten zwei entscheidende Schlüsselerfahrungen vor.

Franziskus Schritte werden radikaler: Auf einer Romreise distanziert sich der junge Mann von der Hartherzigkeit seiner Zunft, indem er das Reisegeld empört zum Petrusgrab hinunter schleudert und seine Kleider heimlich mit einem Bettler tauscht, um vor San Pietro selber zu betteln. In der Ebene unter Assisi begegnet er einem Aussätzigen, den er zunächst verabscheut, dann umarmt und dabei „Bitteres in Süßes verwandelt" findet. Unerwartet erfährt der Kaufmann neue Lebensfreude ganz unten, wohin er sich „vom Höchsten geführt" erfährt. Wenige Wochen nach der Aussätzigenbegegnung betet Franziskus nahe des Leprosenhauses, das er seither immer wieder besucht hat, in der halbzerfallenen Landkirche San Damiano. Er spricht Worte, die seine Suche seit Monaten begleiten. Sie lassen erstmals einen Einfluss kirchlicher Verkündigung greifen und zugleich jeden Hinweis auf ein inkarnatorisches Gottesbild vermissen: Der Suchende ortet Gott im Sinn der Romanik als Weltenherrscher über allem. Und er erhofft sich von ihm Glaube - Hoffnung - Liebe.

Höchster, glorreicher Gott,
erleuchte die Finsternis meines Herzens
und schenke mir rechten Glauben,
gefestigte Hoffnung und vollendete Liebe.
Gib mir Herr, das [rechte] Empfinden und Erkennen,
damit ich deinen heiligen und wahrhaften Auftrag erfülle. (GebKr)

Mit Blick auf die Kirche als Institution und Glaubensgemeinschaft lässt sich erstaunt feststellen: Franziskus tastet sich noch immer allein weiter, ohne spirituelle Begleitung und auch ohne Ratgeber. Der Betende fragt jahrelang direkt nach Gott, nach den Quellen des Lichts und nach neuem Lebenssinn. Er tut es offenbar ohne Vermittlung durch Seelsorger.

Mähler mit Bettlern und Stunden in der Stille haben schrittweise auf den ersten Durchbruch vorbereitet. Er lässt sich ins Frühjahr 1206 datieren und geschieht innerhalb weniger Wochen in zwei Schritten. Die Erfahrung mit Aussätzigen vor den Toren der Stadt hat den Kaufmann, der noch hoch zu Ross auftritt, offen gemacht für den König der Welt, der barfuß über die Erde ging. Franziskus schildert die entscheidende Erfahrung in seinem Testament mit ebenso kurzen wie dichten Zeilen:

Ich lebte zwanzig Jahre lang, als ob es Christus nicht gäbe. Damals schien es mir widerlich und bitter, Aussätzige zu sehen. Doch Gott selber hat mich zu ihnen geführt, und in der Begegnung mit ihnen ist meine Liebe erwacht. Da verwandelte sich in tiefstes Glück (Süßigkeit) für Leib und Seele, was mir bisher bitter erschien. Kurze Zeit nur, und ich verließ die bürgerliche Welt (Test 1-3).