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CCFMC News März 2009

Gott und das Volk


Das Zweite Vatikanum hat uns wieder in Erinnerung gebracht, dass das zentrale Thema der Kirche als Volk Gottes Gott selbst ist. Er beruft das Volk, er leitet es, er sendet es; er will, dass es sein Volk ist, das Volk, dessen Mitglieder sich zu Ihren Nächsten so verhalten, wie er sich zu ihnen verhält. Es ist ein Volk der Erwartung, der Erwartung eines neuen Himmels und einer neuen Erde, also Keimzelle einer neuen Menschheit.

In einer so verstandenen Kirche sind Politik und Humanität (also Gerechtigkeit, Frieden, Bewahrung der Schöpfung, Menschenrechte, Menschlichkeit usw.) zentrale Themen. Sie sind die Basisfragen der Kirche und die unverzichtbaren Grundlagen des Sprechens vom biblischen Gott. Denn er beruft sein Volk zur Bekehrung, heraus aus den Fängen der Macht und des Habenwollens, und er befreit es aus dem Sklavendasein von Unterdrückung und Not. Das Volk Gottes besteht demnach aus Menschen, die bereit sind und den Mut haben, diesen Traum Gottes in der Welt zu bezeugen: nämlich dass Gott Gott ist und kein Götze, dass er ein soziales Wesen ist, der das Leben aller will; dass er unter ihnen Gerechtigkeit einfordert, dass er die Hungernden mit Gütern erfüllt und die Reichen leer ausgehen lässt, und „dass er die Mächtigen vom Throne stürzt und die Niedrigen erhebt“ (Vgl. Lk 1,46ff).

Das Volk Gottes ist also notwendigerweise ein prophetisches Volk, ein heiliges Volk und ein königliches Volk. Es sind diese drei Eigenschaften, die das Konzil in Lumen Gentium besonders hervorhebt: seinen messianischen Auftrag, die besondere Würde seiner Mitglieder sowie die neue Qualität des Lebens, an dem sie teilhaben und zu dem sie berufen sind: nämlich Keimzelle der Einheit, der Hoffnung und des Heils der Menschheit zu sein. Denn Gott wollte „die Menschen nicht einzeln, unabhängig von aller wechselseitigen Verbindung heiligen und retten, sondern sie zu einem Volk machen, das ihn in Wahrheit anerkennen und ihm in Heiligkeit dienen soll“ (LG 9). Und das heißt natürlich auch, dass das Volk Gottes, also alle Glieder der Kirche, seinen messianischen Auftrag durch die eigene Berufung hat und nicht durch ein Mandat der Kirchenleitung.

Der Exodus aus Entmenschlichung, Sklaverei und Ausbeutung wird nur gelingen, wenn Gott dem „versklavten Volk“ auch heute vorauszieht, und wenn das „Volk Gottes“ nicht den „Fleischtöpfen Ägyptens" nachweint und den alten Götzen abschwört, um zum Volk Gottes zu werden, in dem Gottes- und Nächstenliebe die Säulen auch der politischen Gesellschaft werden.

Franziskus hat diese Vision des Konzils in den ersten Anfängen mit seiner Bruderschaft exemplarisch gelebt. Er weiß sich berufen von Gott. Immer wieder erinnert er an seine innere Gewissheit, dass Gott selbst die Hand im Spiel hat: „ der Herr selbst hat mir offenbart,… der Herr hat mir gegeben,… der Herr hat mir gezeigt“ (Test). Franziskus nennt diesen Impuls eine Offenbarung. In einer Zeit, in der die feudale Gesellschaft von Adel und gemeinem Volk als gottgegebene Ordnung verstanden wurde, brachte er eine völlig neue Vorstellung ins Spiel. Wenn Gott herabsteigt und sich mit dem Geringsten gemeinmacht, darf es in der Menschheitsfamilie keine trennenden Unterschiede geben. Denn wir alle sind Söhne und Töchter Gottes, Brüder und Schwestern des Jesus von Nazareth. Deshalb wollte er auch keine Oberen in seiner Bruderschaft, sondern Minister, Diener, denn keiner soll eine Machtstellung innehaben, schon gar nicht unter den Brüdern. Er sendet seine Brüder hinaus in alle Welt, um den Frieden zu künden, pace e bene, Friede und alles Heil, was wir verstehen können als eine Kurzformel des Reiches Gottes. Er tut das, weil Jesus so getan hat.

Damit hat Franziskus ein ansteckendes Beispiel gegeben, wie „Volk Gottes“ entstehen kann: Mit Leidenschaft für die Visionen des Gottesreiches eintreten, wie Jesus es getan hat; immer darauf vertrauen, dass Gott die nötigen Dienstämter weckt, um sein Volk aus dem „Sklavenhaus“ zu befreien; die Armen nicht aus dem Auge verlieren, denn sie sind die vorrangigen Glieder seines Volkes. Auf diese Weise könnte die Vision des Konzils wieder Leuchtkraft erlangen.

Andreas Müller OFM


 


Lateinamerika

Brasilien

Im Jahr 2000 fand das erste Weltsozialforum im brasilianischen Porto Alegre statt. Es war gedacht als eine Alternativveranstaltung zum jährlichen Weltwirtschaftsforum in Davos. Dort treffen sich die Reichen und Mächtigen, im Weltsozialforum die Bewegungen der Zivilgesellschaft, die den Armen und Verlierern eine Stimme verleihen wollen im großen Diskurs um die Zukunft der Welt. Eine andere Welt ist möglich ist die Hoffnungsbotschaft, die seitdem alljährlich formuliert und allen kundgetan wird. Auf Initiative der Missionszentrale der Franziskaner in Bonn war die Franziskanische Familie von Anfang an mit dabei. Ihr Anliegen war, die franziskanische Option für die Armen als spirituellen Impuls einzubringen und sich mit den sozialen und ökologischen Bewegungen zu verbünden. Wie Franziskus seine Berufung entdeckt hat in der Begegnung mit einem Leprosen, so können auch wir Nachfolger des Poverello unsere Identität nur finden in der Nähe zu den Armen heute. Und genau das ist das Anliegen des CCFMC: die Probleme unserer Zeit in eine franziskanische Perspektive zu rücken.

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Botschaft des Fünften Internationalen Franziskanischen
Solidaritäts-Seminars

Januar 2009 – Belem do Pará, brasilianisches Amazonien.

Was haucht unserem Leben Atem ein?

 

Wir, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Fünften Internationalen Franziskanischen Solidaritäts-Seminars, aus vier Kontinenten und fünfzehn Ländern zusammengekommen, haben uns vom 17. Januar bis zum 1. Februar in Belém do Pará, im brasilianischen Amazonien, dem Veranstaltungsort des neunten Weltsozialforums, versammelt. Wir haben einander die jeweilige Realität unserer Länder vor Augen gestellt und miteinander über unser Leben als Franziskanerinnen und Franziskaner nachgedacht. Aus dieser Erfahrung richten wir unser Wort an Euch alle.

 
Was haucht unserem Leben Atem ein angesichts der gigantischen Probleme, denen wir uns im heutigen lokalen und globalen Kontext ausgeliefert sehen? Wir haben erfahren, dass die Vernetzung, die dieses Seminar möglich gemacht hat, ein entscheidendes und wirksames Instrument ist, aus Isolation und Lähmung herauszufinden, aufzustehen, als selbstbestimmte, verantwortungsvolle Personen nachzudenken und für einen tief greifenden Wandel zu arbeiten, den uns der Schrei der Erde und der Schrei der Armen abverlangen.

Das kapitalistische System in seiner neoliberalen Gestalt bewegt sich immer weiter auf eine tiefe strukturelle Krise zu. Wir sind Zeuginnen und Zeugen einer Zivilisationskrise, die sich in der Finanz- und Wirtschaftskrise, in der Umweltkrise, in der Ernährungskrise und in der Energiekrise niederschlägt und das Überleben des Menschengeschlechts bedroht.

Bestärkt fühlen wir uns durch die neuen Handlungsmodelle, die in der Welt, besonders aber in Lateinamerika erfahrbar werden. Sie sind für uns Signale der Hoffnung, die dazu ermutigen, uns an der Seite der Armen, zur Verteidigung des Lebens, für Frieden und Schöpfungsgerechtigkeit zu engagieren.

In der Krise werden auch Chancen erkennbar:

·     Neue, vom einfachen Volk gestützte Regierungen kommen in verschiedenen Ländern Lateinamerikas ins Amt;

·     Neue Prozesse wirtschaftlicher Integration, die von Solidarität und Gleichrangigkeit geprägt sind, werden in Gang gesetzt;

·     Die indigenen und afro-stämmigen Völker mit ihren alten Traditionen organisieren sich und bieten uns aus ihrer Weltsicht alternative Modelle für Zivilisation und Weltverständnis an, wenn sie uns daran erinnern, dass wir nicht das Zentrum, sondern Teil des Universums sind;

·     Die globale Bewegung, die sich dafür einsetzt, dass eine andere Welt möglich ist, erfährt immer mehr Schubkraft.

Diese Chancen bestärken uns in der Überzeugung, dass es sehr wohl nachhaltige und realisierbare Alternativen gibt, an denen sich oftmals auch Franziskanerinnen und Franziskaner beteiligen.

Wir haben uns lebhaft daran erinnert, dass vor fünfzig Jahren Papst Johannes XXIII. mit seiner Idee einer Kirche der Armen das Zweite Vatikanische Konzil einberief. In Verbindung damit haben wir zugleich die 800 Jahre „franzisklarianischer“ Bewegung gefeiert, die uns zum Projekt eines solidarischen Lebens ermutigt. Wir verpflichten uns, diesen Geist von Wandel und Erneuerung mit noch stärkerer Überzeugungskraft wieder zu beleben.

 
Wir sind fest davon überzeugt, dass das „franzisklarianische“ Charisma als prophetische Lebensweise heute mehr denn je Gottes lebenswichtiges Geschenk für unsere Zeit darstellt. Wir stellen fest, dass diese Mystik sich an vielen Orten der Welt mit anderen Einsatzkräften für das Leben zusammenschließt und so zu einem deutlichen Zeichen dafür wird, dass Neues entsteht. Dieses Zeichen der Zeit verlangt, dass wir uns immer stärker, kreativer, zeitgemäßer und beharrlicher miteinander verbünden, auch erkennbar in Treffen und gemeinsamem Tun, das von den lokalen, regionalen, nationalen und globalen Nöten und Herausforderungen bestimmt ist. Ohne Messias- oder Führungs-Anspruch wollen wir mit gesellschaftlichen Bewegungen, Organisationen, anderen Kirchen und Religionen Bündnisse schmieden, um unsere Kräfte zugunsten des Reiches Gottes einzusetzen, das bereits unter uns ist (Lk 11,20)

Seht her, nun mache ich etwas Neues. Schon kommt es zum Vorschein, merkt ihr es nicht?“ (Jes 43, 19)

„Alle sollen aufstehen, niemand soll zurückbleiben!“ (aus Popol Vuh, dem Heiligen Buch des Maya-Volkes)

Pace e bene!

 

Cono Sur

Regionales CCFMC-Seminar in Paraguay

Unter dem Motto „Gemeinsam stellen wir uns den Herausforderungen der franzisklarianischen Mission“ hat vom 5. bis 9. Februar 2009 in der paraguayischen Hauptstadt Asunción das Regionalseminar des CCFMC für das Südliche Lateinamerika (Cono Sur) stattgefunden. Die 16 Teilnehmer und Teilnehmerinnen kamen aus Chile, Uruguay, Paraguay und Argentinien. Der Veranstaltungsort war das Haus „Santa Inés“ der Franziskanischen Schulschwestern.

Die Programmschwerpunkte an den vier Tagen wurden von den Teams der vier Teilnehmerländer gestaltet und durchgeführt: Für Argentinien hielt Dr. Margarita Durán einen Vortrag zum Thema „Die ersten Schritte der franziskanischen Spiritualität am Rio de la Plata.“  Am zweiten Tag konnten die Seminarteilnehmer bei einem Besuch des Wasserkraftwerks von Itaipú an der Grenze zu Brasilien sowie der Kommunität im nur sechs Kilometer entfernten Ciudad del Este die Lebensbedingungen vor Ort – unter besonderer Berücksichtigung des Umweltschutzes – kennen lernen. Das Team aus Uruguay gestaltete den dritten Tag des Seminars, unter anderem mit einem Beitrag zum Thema „Erziehung auf der Grundlage von Werten hin zur Wahrheit ist eine gemeinsame Aufgabe“, den Dr. Laura Benítez hielt. „Die Spiritualität der Menschwerdung bei Franz von Assisi“ war das Thema des vierten und letzten Tages dieses Seminars. Er wurde von Schwester Antonia Montiel aus Chile und ihrem Team gestaltet.

In ihrem Vortrag zur Geschichte der Franzis-kaner im Gebiet des Rio de la Plata hob Margarita Durán hervor, dass es bereits vor dem Eintreffen Alonso Cabreras, mit dem die schriftlichen Quellen beginnen, erste franziskanische Missionare in dieser Region gab, die die Sprache der dortigen Bevölkerung erlernten. Für die Guaraní, die keine Schrift kannten, war das gesprochene, nicht das geschriebene Wort wichtig. Im Unterschied zu den Dominikanern hinter-ließen die Franziskaner keine Bücher, wohl aber entstand in ihrem Umfeld eine Laienbewegung, die Tertiaren, die es bei den Dominikanern nicht gibt.

 

Franziskus erkannte Gott wieder als den Gott der Armen. Diese Feststellung gehört zu den Ergebnissen der Gruppenarbeit zum Referat über die Spiritualität der Menschwerdung bei Franz von Assisi. Die Menschwerdung Gottes hat seinen Grund in der Liebe und (ungeschuldeten) Gnade, sie ist nicht die Folge unserer Sünden. Franziskus habe als Erster den mystischen Wert der Geburt Christi, des Christfestes, als Ideal erkannt. Der Konsumrausch unserer Zeit verdunkle bei uns die Bedeutung des Christfestes, aber unsere Spiritualität helfe uns, zu unseren Wurzeln zurückzukehren. Eine Religion der Menschwerdung bedeute auch, für Gerechtigkeit und Frieden zu arbeiten. Der CCFMC müsse uns dazu bringen, unseren Platz in der Gesellschaft neu zu finden. Wir müssten darauf achten, dass wir uns nicht mit Büchern, Kursen, mit dem Stolz auf die Aktivitäten unserer Institution und Ordensgemeinschaft überfüttern, oder uns dem Anderen in paternalistischer Weise nähern.

Beschlüsse des Plenums:

·     Die Koordination geht für die Dauer eines Jahres in paraguayische Hände über. Hauptverantwortlich sind Gustavo Benítez, Roberto Arévalo und Irma Britez.

·     Das nächste Seminar findet vom 3. bis 7. Februar 2010 in Uruguay statt.

·     Im Jahr 2009 wird Ökologie das Hauptthema sein.

·     Gedächtnis des Kontinents: Vorbereitet wird eine Geschichte des CCFMC in den einzelnen Ländern.

·     Webseite: Jedes Land wird seine Berichte und Kommentare an die Zentrale in Würzburg senden, wo sie bearbeitet und ins Internet gestellt werden.

Evaluation:

·     Die Koordinatoren des CCFMC stellen fest, dass der Grundkurs zum franziskanisch-missionarischen Charisma heute vor allem für Laien angeboten wird, die sich mit der Realität des Kontinents befassen.

·     Im Unterschied zu früher steht beim Kurs heute die Aktion im Mittelpunkt; er muss beim Einzelnen Veränderung und Erneuerung bewirken.

·     Es kann nicht darum gehen, die Lehrbriefe nur für uns selbst zu „lernen“.

·     Der CCFMC ist heute im Südlichen Südamerika „eingebettet“, er befindet sich an der Basis, er ist eine Bewegung.

·     Handeln in der Kontemplation und Arbeit mit den Laien gibt uns Kraft, Freiheit, gibt uns einen Platz inmitten der Gesellschaft, macht uns zu Träumern, zu respektvollen, liebenden Menschen, zu Gefährten von Franziskus und Klara.

 

Peru

Kraftvoller Neubeginn

Bericht von P. Guido Zegarra, Nationalkoordinator von Peru und Regionalkoordinator der Region Andina

Für den CCFMC in Peru war das Jahr 2006 Ausgangspunkt einer neuen und kraftvollen Entwicklung. Damals fand in Lima das Jahrestreffen der vier Kontinentalkoordinatoren Lateinamerikas zusammen mit dem Team des internationalen Zentrums in Würzburg statt und gab dem Grundkurs zum franziskanisch-missionarischen Charisma, der mehrere Jahre lang in Peru nicht präsent gewesen war, einen neuen Impuls. Auf Bitten der Franziskanischen Familie Perus übernahm das „Franziskanische Institut für höhere Studien der Philosophie und Theologie“ „Cardenal Juan Landázuri“ die Verantwortung. Für diese neue Etappe gibt es ein konkretes Datum: am 30. August 2006 wurde der Kurs in seiner neuen Phase organisiert, programmatisch gestaltet und umgesetzt. Der Aufruf an die Franziskanische Familie fand ein sehr positives Echo, es kamen 150 Brüder und Schwestern der drei Ordenszweige.

 

Die Arbeit im Grundkurs zum franziskanisch-missionarischen Charisma befasst sich mit drei thematischen Achsen: Studium der Lehrbriefe; Themen zur Methodik; Entwicklung neuer Themen, die angesichts unserer peruanischen Realität von Interesse sind. Beispielsweise die franziskanische Lesart der Themen, die das Dokument von Aparecida behandelt.

Seit dem Neubeginn des Kurses finden die Treffen an jedem vierten Samstag des Monats statt. Besonders erfreulich bei allen Kurstreffen - vor allem bei den Teilnehmern von der OFS - ist das wachsende freundschaftliche Miteinander und das große Verlangen, unsere franziskanische Spiritualität zu erfahren und zu leben. Viele Brüder, Ordensbrüder und Ordensschwestern, Brüder und Schwestern der OFS und auch Jugendliche gaben bei der Entwicklung der Themen wertvolle Anregungen. Zu den Teilnehmern gehörten neben Seminaristen und Jugendlichen der JuFra auch die Klarissen und Konzeptionistinnen, die uns über ihr kontemplatives Leben berichteten.

Zu den neu entwickelten Themen zählen unter anderem: „Beten mit Franziskus“; Herausforderungen, die sich der Franziskanischen Bewegung stellen; Franziskanische Pädagogik; Franziskanisches Laientum; Feministische Dimension des franziskanischen Charismas; Franziskanische Familie Perus.

Franziskanische Lesart des Dokuments von Aparecida: Die bleibende Mission der Franziskaner in der Kirche; Neue Initiativen im Rahmen unserer evangelischen Option für die Armen; Frieden und Gerechtigkeit; Kirchliche Basisgemeinschaften.

Der OFS hat sich vorgenommen, gemeinsam mit dem Institut „Cardenal Juan Landázuri“ in den verschiedenen Gemeinschaften des Landes den Grundkurs zum franziskanisch-missionarischen Charisma als ständige Einrichtung anzubieten. Zu diesem Zweck soll ein Team von Animatoren gebildet werden, die in den verschiedenen Landesteilen den Kurs leiten.

Peru: Franziskanisches Zentrum stellt Jugend in den Mittelpunkt

Schwester Victoria Naupari Osorio, die Leiterin des Franziskanischen Zentrums Perus, berichtet uns über die Aktivitäten dieser Einrichtung im vergangenen Jahr. Anhand des Programms vom September 2008 zeigt sie auf, dass die Jugend und ihre spirituellen Bedürfnisse im Mittelpunkt stehen.

Das Franziskanische Zentrum Perus will die Franziskanische Spiritualität bekannt machen und vertiefen. Im Rahmen der franziskanischen Grundausbildung bietet das Zentrum am Samstagvormittag Workshops an, in denen drei Dozenten dieser Einrichtung den Kurs zum franziskanisch-missionarischen Charisma erarbeiten. Zu den Teilnehmern dieser Workshops gehören Junglehrer sowie franziskanische Ordensleute. Die Themen der Workshops werden von den Dozenten und der Leitung des Zentrums gemeinsam ausgewählt und entsprechen den Bedürfnissen der Jugend, insbesondere wenn es darum geht, ihre Entscheidung für ein franziskanisches Leben zu begründen. Im September standen drei Themen im Mittelpunkt.

 

Beim Thema „Erst- und Weiterbildung“ hob Pater Juan Meza OFM hervor, wie wichtig die Ausbildung der Persönlichkeit ist, damit wir so wie Franziskus mit Wort, Tat und Dienst das Evangelium leben, das Reich Gottes verkünden und Zeugen der Realität sein können. Eine besonders interessante Erfahrung für die jungen Leute war es, Ausbildung zu erhalten und gleichzeitig die Möglichkeit zu haben, sowohl als Lehrer als auch als Schüler mit ihrem ganz persönlichen Lebenslauf die Welt verändern zu können. Eine der den Teilnehmern gestellten Aufgaben war, die wichtigsten und häufigsten Bedürfnisse in ihrer Gemeinschaft zu entdecken. Die Begegnung von Franziskus mit den Leprosen sowie sein Gang durch die Stadt, bei dem er - ohne ein Wort zu sagen - das Evangelium predigte, sollten dabei Maßstab sein. Zu den positiven Ergebnissen des Workshops gehörte die Erkenntnis der Jugendlichen, dass sie sich häufig nicht voll und ganz in ihrer Ausbildung angenommen und für sie verantwortlich fühlten. Sie wollen sich daher stärker für ihre Ordensgemeinschaft, für die Kirche und die Welt engagieren.

„Ursprung der Mission im Lichte des Geheimnisses der Dreifaltigkeit“, lautete das zweite Seminarthema. Schwester Doris de Montoya OFS, die diesen Workshop leitete, machte deutlich, wie wichtig die dreifaltige Mission im Handeln Gottes für das Wohl der Welt ist. Wichtig sei aber auch, die Rolle Marias, der Mutter Jesu, im Rahmen der Heilsgeschichte wieder stärker zu würdigen. Den jungen Teilnehmern wurde deutlich, dass der Heilige Geist unermüdlich im Handeln jedes Menschen zum Ausdruck kommt. Franziskus sieht im Heiligen Geist eine stärkende Kraft, ein lebenswichtiges Prinzip, ohne das nichts existieren kann. Den jungen Teilnehmern wurde deutlich, dass man die Welt nicht ändern kann, wenn man nicht Bruder/Schwester des Nächsten ist.

Pater Jorge Horna OFM leitete den Workshop zum Thema „Franziskanischer Traum einer indianischen Kirche“. Dieses Thema, das dem franziskanischen Traum entspringt, Gott überall hin in die Welt zu bringen, vor allem nach Amerika, lenkte das Augenmerk auf die Realität in manchen Ordensgemeinschaften. Häufig mangelt es hier an einem neuen Ansatz bei der Begegnung mit dem Anderen, beim Entdecken der Werte des Anderen. Die Lebensumstände vieler junger Menschen, die aus ländlichen, aber nicht indigenen Orten kommen, machen für viele von ihnen diese Wahrheiten der Evangelisierung noch schwierig. Sie erleben, dass manche Menschen ihre eigene Kultur und Wurzeln nicht akzeptieren wollen und ihr eigenes Selbst verleugnen. Die Diskussion zu diesem Thema war sehr lebhaft, vor allem angesichts der Tatsache, dass die Unterschiede zwischen den Kulturen immer noch deutlich zu erfahren sind.

 


Barfuß in den Fußspuren Jesu –

Christuserfahrung und Nachfolge des Franz von Assisi

Br. Niklaus Kuster OFMCap


 

2. Krieg - Kerker - Krankheit:

Tasten nach dem, der „lichtvoll über allem" ist

Erst als der ehrgeizige junge Mann, vom Leben verwöhnt, über die kühnen Pläne seines Ehrgeizes stolpert, erwacht seine Seele. Zwanzigjährig erlebt er in der Tiberschlacht ein furchtbares Debakel, gerät in Kriegsgefangenschaft, verbringt ein Jahr in den dunkeln Kerkern Perugias und wird freigekauft dann schwer krank. Wie er nach einem weiteren Jahr wieder auf die Beine kommt, beginnt sein erschüttertes Leben größere Tiefe zu suchen.

„Business as usual" im Großbetrieb seines Vaters, Ritte auf die umliegende Märkte und abendliche Feste erwecken in den folgenden zwei Jahren den Anschein wiedergewonnener Normalität. Von seinen Freunden und der Familie unbemerkt bewegt sich der junge Kaufmann jedoch auf eine doppelte Suchbewegung. Franziskus beginnt zunächst, die Stille zu entdecken. Am Rand der Stadt findet er Höhlen. Hier kann er seinen Erfahrungen und den Fragen seiner Seele Raum geben. In stillen Stunden beginnt er vermutlich auch jenes Gebet zu lernen, das zwei Jahre später in San Damiano zu einem ersten Durchbruch findet: „Höchster, lichtvoller Gott, erleuchte die Finsternis meines Herzens! Gib mir einen Glauben, der weiterführt, eine Hoffnung, die durch alles trägt, und eine Liebe, die niemanden ausschließt ..." (GebKr) .

Die Kirche als Institution und Glaubensgemeinschaft bleibt abseits in dieser Suche: Franziskus sucht allein, obwohl es Assisi nicht an Kirchen, Klerikern und spirituellen Zentren fehlt. Nicht sakrale Räume und weder Bibel noch Priester holen den jungen Mann in seiner Sinnsuche ab. Dunkle Höhlen ziehen ihn an - Orte, die offenbar seiner inneren Welt entsprechen: „Erleuchte die Finsternis meines Herzens". Die Stille, in den langen Nächten der Gefangenschaft und der Krankheit noch bedrohlich, wird dem jungen Städter zur Verbündeten.

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