Kirchenträume
Das Zweite Vatikanische Konzil definiert die Kirche als "Volk Gottes". Als Getaufte und Gefirmte haben alle den Geist empfangen (vgl. Röm 8,9; 1 Kor 3,16.19). So sind auch alle zur Verkündigung und zum Zeugnis für das Reich Gottes befähigt. Es geht also nicht um eine hierarchisch gegliederte "Kirche an sich", sondern um eine glaubende Gemeinschaft, die Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten teilt (vgl. GS 1).
Als Volk Gottes, das mitten in dieser Welt lebt und eben auch der unter den Menschen üblichen Versuchung der Macht ausgesetzt ist, hat die Kirche es immerzu nötig, selbst evangelisiert zu werden, um das Evangelium glaubwürdig verkünden zu können. Das heißt, sie muss immer wieder auf den hören, der verkündet hat, worauf es ankommt. Lukas vor allem, aber auch die anderen Evangelien zeichnen uns Jesus als einen Menschen, der nichts hatte, worauf er sein Haupt legen konnte, und der eine konsequente Solidarität mit den Armen lebte. Wer ihm folgen will, muss alles Besitz- und Herrschaftsdenken hinter sich lassen und mit ihm zusammen die Gemeinschaft mit den Armen suchen (vgl. Mk 10). Denn die Armen, die Trauernden, die Schwachen, die Verfolgten und Ausgebeuteten sollen erfahren und wissen, dass "ihnen das Reich Gottes" gehört, der Trost, das Leben, die Gerechtigkeit, das Land, die ganze Erde (vgl. Mt 5).
Wer immer es gut meint mit der Kirche, muss über solche vorkonziliaren Sehnsüchte in Sorge sein. Ihre Glaubwürdigkeit steht auf dem Spiel. Was wirklich nottut heute, ist die Wiederentdeckung der Visionen des II. Vatikanischen Konzils. Dort wurde Kirche definiert als Gemeinschaft der vielen Ortskirchen, die ihr je eigenes kulturelles Gesicht haben und die in Gemeinschaft miteinander leben. Kirche als das pilgernde Gottesvolk, dem Gott insgesamt einen Bund angeboten hat und in dem er die vielen Charismen und Dienstämter weckt, die nötig sind, um das Volk aus der Knechtschaft von Schuld und Verlorenheit zu befreien. Eine Kirche also, in der alle Mitverantwortung tragen für den Heilsdienst am Menschen, eine Kirche, die nicht bedient werden will, sondern die dienen will. Eine Kirche, die großzügig, barmherzig, frei und gelassen sein kann, weil sie glaubt und vertraut, dass der Geist Gottes am Werke ist.
Das wäre die geschwisterliche Kirche, die Jesus von Nazareth begründet hat und von der Franziskus träumte. Sie zu bezeugen, ist unser Auftrag. Man kann nur wünschen, dass das kein bloßer Traum bleibt. Die Menschen brauchen ein solches Zeugnis – heute mehr denn je.
Andreas Müller OFM
Afrika
CCFMC im frankophonen Afrika wächst langsam, aber stetig
Über die Entwicklung des CCFMC in den frankophonen Ländern Afrikas – Tschad, Togo, Benin, Burkina Faso, Elfenbeinküste, Kamerun, sowie Demokratische Republik Kongo, Ruanda und Burundi – haben wir einen Bericht von der Regionalsekretärin des CCFMC, Schwester Appolonia Budzee, erhalten.
Die Strukturen des CCFMC in den französischsprachigen Ländern Afrikas sind nach wie vor im Aufbau begriffen. Diese Aufwärtsentwicklung geht langsam, aber stetig voran. Dank des Engagements einiger einflussreicher Personen, die im CCFMC das zentrale Element franziskanischer Bildungsarbeit sehen, ist dieser Entwicklungsprozess jedoch stabil. Zu dieser Einschätzung kamen die Koordinatoren auf einem viertägigen Treffen, das im April 2008 in Kamerun stattfand.
In der Leitung des CCFMC in den frankophonen Ländern Afrikas trat Pater Pascal Fomonyuy OFMCap im Januar 2008 die Nachfolge von Schwester Alphonsa Kiven an.
Tschad: Seit dem ersten nationalen Workshop im März 2007 setzt der CCFMC seine Bildungsarbeit vor allem für Jugendliche fort. Regelmäßige Veranstaltungen sind wegen personeller und verkehrsbedingter Defizite nicht möglich.
Togo, Benin, Burkina Faso, Elfenbeinküste: Der Koordinator dieser Region, Pater Francois Lare OFM, unternahm große Anstrengungen, den CCFMC in Burkina Faso und Benin ebenso zum Erfolg zu führen, wie dies in Togo bereits der Fall ist. In Togo gibt es seit 2008 eine Koordinierungsgruppe, die für die Kommunikation zwischen Franziskanischer Familie und CCFMC zuständig ist.
Kamerun: Das CCFMC-gestützte Fortbildungsprogramm für die Klarissen, das von Schwester Clementine geleitet wird, wurde auch 2008 fortgeführt. Dies ist Ausdruck großer Solidarität mit den Klarissen, die unter dem Fehlen neuer Berufungen sowie moralischer Unterstützung seitens anderer Franziskaner, aber auch der Isolation und der prekären Versorgungslage leiden.
Demokratische Republik Kongo, Ruanda und Burundi: Den Anstrengungen von Koordinator Jean Francois Isia OFS ist es zu verdanken, dass die CCFMC-News jetzt ins Französische übertragen werden und somit für französischsprachige Interessenten in aller Welt zugänglich sind. Fortgesetzt wurden auch die Bemühungen, die Franziskaner dieser Länder noch mehr für den CCFMC-Kurs zu interessieren und zu sensibilisieren. Auf Initiative des Koordinators wurde der CCFMC ins Bildungsprogramm des OFS aufgenommen.
Asien
Philippinen: Greccio-Erfahrung zum 800. Jubiläumsjahr
Zum Auftakt der Veranstaltungen im Jubiläumsjahr 2009 versammelten sich 268 Franziskanische Brüder und Schwestern am 3. Januar in Tagaytay-City zu einer eintätigen Greccio-Erfahrung. Pater Enrique Montero OFMConv ging in seinem Referat „Das Mysterium der Menschwerdung Christi“ vor allem auf die Demut Christi ein. Demut im christlichen Verständnis habe nichts mit Demütigung zu tun, denn christliche Demut sei ein Akt der freien Entscheidung, während Demütigung eine Erniedrigung des Menschen sei. Demut bedeute nach Apostel Paulus, unsere Liebe zum anderen zum Ausdruck zu bringen.
„Gnade in franziskanischer Sicht,“ war das Thema des zweiten Referats, gehalten von Pater Baltazar Obico OFM. Gnade, die unentgeltliche und allumfassende Hilfe, die von Gott kommt, ermögliche uns, ein Leben als Christ zu führen. Der Plan Gottes sei die Liebe, nicht die Demütigung. Franziskanische Spiritualität sei nicht Armut, sondern Danksagung, betonte er.
Vorbereitet und gestaltet hat das Jubiläumsprogramm 2009 die Interfranziskanische Konferenz der höheren Oberen/Oberinnen der Philippinen (IFMPC) gemeinsam mit ihren Missionspartnern. Weitere Veranstaltungen: Franziskanische Erfahrungen in Einsiedeleien (9. März 2009); Gemeinsame Franziskanische Exerzitien (4.-8. Mai 2009); Besinnungstag zur Gelübde-Formel (8.August 2009); Große Feier zum 800-jährigen Bestehen unserer Franziskanischen Gründung (3. Oktober 2009).
Europa
Zagreb: CCFMC-Jahrestagung für Bosnien-Herzegowina und Kroatien
In der kroatischen Hauptstadt Zagreb hat am 29. November 2008 die Jahrestagung des CCFMC in Bosnien-Herzegowina und Kroatien sowie ein Treffen des Nationalen Rates des CCFMC stattgefunden. Der Vormittag war Berichten über Aktivitäten und Erfahrungen des vergangenen Jahres auf nationaler und regionaler Ebene gewidmet. Auf der Nachmittagssitzung wurden wichtige strukturelle und inhaltliche Fragen, wie beispielsweise die Aufgaben der Nationalen Rates und die Statuten des CCFMC erörtert.
Nachdem Pater Pero Vrebac den Jahresbericht vorgelegt hatte (siehe eigenen Bericht), kamen die Regionalkoordinatoren mit ihren Beiträgen zu Wort, von den hier nur einige erwähnt werden können:
Auf Anregung von Pater Pero befassten sich die Teilnehmer der Jahrestagung auch mit der Frage nationaler CCFMC-Statuten, im denen sich der nationale CCFMC selbst definiert sowie seine Ziele, Aufgaben und Zuständigkeiten festschreiben müsse. Beschlossen wurde, dass zunächst Erfahrungen gesammelt und analysiert werden müssten. Es sei jetzt noch zu früh, diese Statuten zu erarbeiten, da es noch an Klarheit fehle.
Weitere Beschlüsse waren: vom 30. April bis 3. Mai 2009 findet in Krk/Kroatien ein Seminar für Animatoren statt. Jede Region soll vier Teilnehmer, wenn möglich Neulinge, entsenden. Schwester Mirjana Pinezic wurde zur Stellvertreterin der Nationalen Koordinators gewählt. Die nächste Jahrestagung findet am 28. November in Zagreb statt.
Sarajewo: Ein erfolgreiches erstes Jahr des CCFMC
Bosnien-Herzegowina und Kroatien sind heute aktive und engagierte Mitglieder der wachsenden CCFMC-Familie, die sich die Verbreitung des Franziskanischen Charismas auf die Fahnen geschrieben hat. Im Laufe des vergangenen Jahres wurde nicht nur das Nationale Büro des CCFMC in Sarajewo eingerichtet, sondern es wurden auch die für ein aktives Arbeiten erforderlichen Strukturen aufgebaut.
Pater Pero Vrebac OFM, der Nationale Koordinator, legte der CCFMC-Jahresversammlung in Zagreb, die am 29. November 2008 stattfand, den Jahresbericht 2008 für das gesamte Gebiet von Bosnien-Herzegowina und Kroatien vor. Darin skizzierte er nicht nur die wichtigsten Entwicklungen, die in diesem Zeitraum stattfanden, sondern ging auch ausführlich und deutlich auf die Herausforderungen der Zukunft ein.
Das Erleben auf der Tagung des Internationalen CCFMC-Exekutivkomitees in Großkotzenburg im Februar 2008 sei eine große Ermutigung gewesen, die einmal begonnene Aufgabe in Bosnien-Herzegowina und Kroatien weiterzuführen und die Zusammenarbeit auch in die Nachbarländer zu tragen. „So ist unser CCFMC jetzt mit der weltweiten Franziskanischen Familie verbunden und in sie eingebunden,“ betonte er.
Aktionen
Zu den herausragenden Ereignissen im vergangenen Jahr gehörte ein zweitägiges Seminar für CCFMC-Animatoren, das vom 1. bis 3. Mai 2008 im neu errichteten OFM-Studentenheim in Split stattfand. Die 35 Teilnehmer (18 OFS-Mitglieder, vier Franziskanerinnen, fünf Mitglieder der JuFra, und vier Franziskaner) äußerten zum Abschluss den Wunsch, dass alljährlich ein solches Seminar angeboten wird.
Auch die Vorbereitungen zum 800. Jahrestag der Franziskanischen Bewegung war ein wichtiges Thema, das während des Seminars von den regionalen Koordinatoren erörtert wurde. Konkret ist für Kroatien und Bosnien-Herzegowina eine interfranziskanische Walfahrt im bosnischen Podmila geplant, die am 30. August 2009 stattfinden soll.
Besondere Beachtung finden im Jahresbericht zwei franziskanische Projekte in Kroatien: Der Weltliche Dritte Orden von Trsat/Kroatien eröffnete im März 2007 das Haus „Rosen des Heiligen Franziskus,“ das erste Obdachlosenheim in Rijeka. Eine kleine Gruppe freiwilliger Helfer unter der Leitung eines Kaplans und eines Psychologen kümmern sich hier um die Nöte der Ärmsten, der „Leprosen unserer Zeit,“ und geben ihnen für eine Weile ihre Menschenwürde zurück. Bisher haben etwa hundert Menschen diese Einrichtung genutzt. Ebenfalls auf Initiative des OFS von Trsat wurde „Straßenlaternen“, die erste Obdachlosenzeitung Kroatiens gegründet. Die erste Ausgabe mit einer Auflage von 1000 Exemplaren erschien am 19. September 2008. Das Blatt veröffentlicht Adressen, an die sich Obdachlose wenden können, von Suppenküchen und Einrichtung für Menschen mit geringem Einkommen. Der Namen der Zeitung leitet sich von der franziskanischen Vision ab, dass die Ärmsten uns evangelisieren, sollen.
Herausforderungen
Ausführlich geht der Jahresbericht auf die Herausforderungen ein, die sich aus noch bestehenden Defiziten ergeben. Einerseits wachse das Engagement sowie das Interesse für Franziskus und Klara beim weltlichen Zweig der Franziskanischen Familie, sowie bei der JuFra. Defizite gebe es jedoch bei der Bereitschaft der Ordenspriester, sich den spirituellen Bedürfnissen – den eigenen und denen anderer – zu widmen.
Wörtlich heißt es im Bericht: „Wir haben sehr viel zu tun; dabei verwenden wir unsere Energien aber nicht so sehr auf die lebendige Kirche, sondern auf die Kirchengebäude, und dabei verlieren wir unsere Spiritualität. Anstatt die Sorge um die materiellen Projekte den Experten unter den Laien anzuvertrauen, nehmen wir ihnen ihre Aufgabenbereiche weg. Wir verschwenden Zeit für Aufgaben, für die wir nicht kompetent sind; aber für Aufgaben, für die wir ausgebildet sind – die spirituelle Betreuung – haben wir weder Zeit noch Interesse. Es hat den Anschein, als ob die Zeit, in der die Kirche in die Sakristeien verbannt war (in der kommunistischen Zeit), Spuren in uns und in unserer Beziehung zu den Laien und den Ordensschwestern hinterlassen hat (...) Das geschieht meiner Meinung nach, weil wir uns unserer eigenen franziskanischen Identität nicht bewusst sind. Wir sind klerikalisiert (...) Unsere Identität, ob wir nun geweiht sind oder nicht, ist die von Ordensleuten, nicht die des Priesters. Die Essenz unserer franziskanischen Identität ist nicht die Priesterweihe sondern das geweihte Leben (...) Diese klerikale Mentalität, in die wir hineingewachsen sind, ist ein fruchtbarer Boden für Vorurteile und Missverständnisse gegenüber den weltlichen Franziskanern und den Ordensschwestern (...) Wir verhalten uns ihnen gegenüber, als wären sie Menschen zweiter Klasse ...“
Anregungen
· Weitere Brüder und Schwestern verschiedener Kommunitäten müssten als Animatoren ausgebildet werden, um in ihrem Umfeld CCFMC-Kurse anbieten und leiten zu können. Wann und wo diese sicherlich notwendigen zweitätigen Seminare stattfinden, sowie weitere Einzelheiten müssen noch festgelegt werden.
· Regelmäßige Treffen des Nationalen CCFMC-Rates sind erforderlich, um die Arbeit in allen Regio-nen lebendiger zu gestalten.
· Angesichts der vielfältigen und zahlreichen Aufgaben im Rahmen der Verbreitung des franziskanischen Charismas, die das Nationale Büro zu bewältigen hat, besteht dringender Bedarf, einen Stellvertreter für den Nationalen Koordinator zu wählen. Derzeit ist das Büro nur mit dem Nationalkoordinator besetzt.
· Die Vorbereitungen zum 800. Jubiläum des Franziskanischen Charismas sollten neben den spirituellen Angeboten auch konkrete soziale Aktionen - also gelebtes franziskanisches Charisma - umfassen.
· Sehr zu begrüßen wäre die Einrichtung einer eigenen Webseite in kroatischer Sprache. Für dieses Vorhaben, zu dem das Internationale CCFMC-Zentrum in Würzburg die technischen Voraussetzungen geschaffen hat, müsste ein eigenes Team gebildet werden.
Lateinamerika
2. CCFMC Generalversammlung in Brasilia (Fortsetzung aus den November- und Januar-News)
Das Thema der Generalversammlung und des sich anschließenden großen Forums war: „Wie können wir des Traum von Bruder Franz und Schwester Klara wieder mit Leben füllen?“ Was hat die Franziskanische Bewegung in Gang gebracht und was hat sie verändert? Nur wenn wir uns damit gründlich und ehrlich auseinandersetzen, können wir erahnen, was das für uns heute bedeutet, und zwar ganz konkret in der realen Welt, in der wir leben. Wir müssen also eine Brücke schlagen aus der Welt vor 800 Jahren in unsere Zeit und versuchen, die Gründeridee in unsere sozio-ökonomische, kulturelle und religiöse Situation zu übersetzen. Dabei müssen wir das Kunststück fertigbringen, eine die ganze Welt faszinierende Idee in den vielfältigen Facetten unserer Wirklichkeit zur Geltung zu bringen. Oder anders gesagt: wir müssen heute in einer Welt, die sich zu einem „Weltdorf“ transformiert, global denken, aber immer in unserer kleinen Welt lokal handeln.
Also geht es um die Frage, welche Bedeutung hat die franziskanische Vision, die franziskanische Bewegung heute in der Wirklichkeit der Kirche, der sozialen Situation, der Vielfalt der Kulturen und der gesellschaftlichen Prozesse, die wir in unseren Ländern antreffen? Und konkret auf die CCFMC-Familie bezogen: ist der Kurs ein geeignetes und noch ausreichendes Instrument, um den nötigen Lernprozess in Gang zu bringen und zu begleiten? Um dieser Frage auf die Spur zu kommen, wollten wir uns von
Das Folgende ist eine stichwortartige Zusammen-fassung des sehr anregenden Referates. Es sind drei Blickwinkel, die wir beachten müssen.
1. Gesellschaft mit festen Wurzeln: Das ist die Welt, wie sie lange Zeit war. Sie bevorzugt Feststehendes, große Bauten, stabile Werte, Versprechen, die für das ganze Leben gültig sind, stabile Familien, große Schulen, feudale Strukturen mit allmächtigen Herren oben und gehorsamen Dienern unten, traditionsgebundene Kultur, die von Generation zu Generation weitergegeben wird, Berufung (Entscheidung für das ganze Leben) eher als Beruf (der gewechselt werden kann).
Ihr entspricht die hierarchische Kirche: Eine stabile Kirche, die nicht in Frage gestellt wird. Feststehende Norm ist das kanonische Recht. Missionen sind vorgegeben. Tradition und Integrität der Wahrheit gilt es zu erhalten. Katechismus, Rubriken und die sakramentale Pastoral sind wichtig.
2. Industriegesellschaft (Zwischengesellschaft): Ihr Charakteristikum ist das kapitalistische Wirtschaftssystem. Sie verzichtet auf physische, intellektuelle, gefühlsbezogene, religiöse und kulturelle Wurzeln. In den Bereichen Wirtschaft und Technologie setzt sie auf rasche Veränderungen. Ihre Stabilität beruht auf Gesetzen, die eine gewisse Sicherheit bieten. Im Bereich der Politik wird Macht durch Wahlen begründet, nicht mehr durch Vererbung und Blutsverwandtschaft. Scheidungen sind per Gerichtsentscheid möglich. Große Bedeutung bekommt die Professionalisierung (Kompetenz, Effizienz und soziale Anerkennung), weniger hingegen die Berufung, also eine lebenslange Verpflichtung. Die Kultur ist stark beeinflusst von Wissenschaften (Genforschung, Informatik) und von subjektiven Werten (Wahrheit ist immer eine Interpretation aus einem bestimmten Blickwinkel).
Ihr entspricht die Kirche in der Zwischengesellschaft: Sie ist ein Ergebnis der Veränderungen, die durch das II Vatikanische Konzil herbeigeführt wurden. Strukturen werden beibehalten, jedoch flexibilisiert. Die Synoden haben ihre Bedeutung. Der Katechismus wird als Orientierung verstanden. Ökumenischer und interreligiöser Dialog werden aktualisiert. Die Laien sind an offiziellen Organen beteiligt.
3. Post-industrielle Gesellschaft – Wissensgesellschaft: Sie ist zutiefst gekennzeichnet von Flexibilität. Es ist die neoliberale Gesellschaft: Übergang von den realen zu den virtuellen Gütern, Aktien an der Börse, Kreditkarten etc. Die Welt wird regiert von der elektronischen Technologie. Stabilität am Arbeitsplatz und im Beruf verschwinden: Arbeiter wechseln innerhalb eines Unternehmens ihren Arbeitsplatz oder wechseln von einem Unternehmen zu einem anderen. Die Produktionsmittel machen neue Kenntnisse erforderlich. Die Familien stützen sich auf emotionale und vom Faktor Selbstverwirklichung bestimmte Beziehungen. Die Kultur wird geprägt von Konsum und befindet sich in ständiger Bewegung. Subjektivismus, Marketing, der Körperkult, das Aussehen, die (Nano)technologie prägen das Gesicht dieser Gesellschaft.
Dem entspricht die virtuelle Kirche: Zutiefst geprägt ist diese Kirche von Mobilität und vom Interesse der Menschen. Beispiel: www.partenia.org - Notre Dame im Internet; oder auch „Igreja-Pólo“, die sich um Erwartungen von Menschen kümmert, welche sich an sie wenden. Es gibt Zentren für Spiritualität, für Beratung, für Weiterbildung, für Stille, für Musik, um nur einige zu nennen.
Klar wurde auch, dass der CCFMC ein geeignetes Instrument ist, um solche Prozesse zu begleiten. Freilich müssen auch da alle Beteiligten offen sein für entsprechende Anpassungen an die Erfordernisse einer Region, für nötige Fortschreibungen, um neuen Themen nicht aus dem Weg zu gehen. Wichtig ist, die Realität zu kennen, in der wir heute Franziskaner sein wollen. Franziskus zeigt uns einen Gott, der nahe am Volk steht, frei von Strukturen. Wir müssten freier werden, um wieder dort sein zu können, wo unsere heutigen Armen kaum Beachtung und Zuspruch finden. Das ist die Mystik unserer Spiritualität, die heute so notwendig ist.
CCFMC Zentrum
Sr. Reginarda Holzer nicht mehr im CCFMC-Team
Zum 31. 12. 2008 ist Sr. Reginarda aus dem Team im CCFMC Zentrum ausgeschieden. Sie hat zum 1. September eine wichtige Aufgabe in der Leitung des Alten- und Pflegeheimes ihrer Gemeinschaft in Oberzell übernommen. In den folgenden Monaten wollte sie herausfinden, ob neben dem zeitaufwendigen Leitungsamt eine kontinuierliche und sinnvolle Mitarbeit bei uns noch möglich ist. Leider hat sich ergeben, dass sie sich auf eine planbare Zeit doch nicht festlegen kann.
Sr. Reginarda hat ab Mitte 2003 in einer Halbtagsstelle mit uns gelebt, geplant und gearbeitet. Sie war verantwortlich für die Redaktion der CCFMC News, für Kontaktpflege in Asien und Afrika, für die Promotion des Kurses in Afrika und für Verwaltungsaufgaben. Wir verdanken ihr viele Anregungen und Ideen, die unseren weltweiten Dienst bereichert haben. Dafür sind wir ihr von Herzen dankbar. Wir wünschen ihr alles Gute in ihrem neuen Dienst und hoffen, dass die räumliche Nähe zu Oberzell einen anregenden Austausch auch weiterhin möglich macht.
Neu im Redaktionsteam des CCFMC
Als Nachfolgerin für die Redaktion der CCFMC News können wir Frau Hedwig Maurer vorstellen. Seit Jahresbeginn ist sie für übersetzen und bearbeiten der Nachrichten aus der CCFMC-Welt verantwortlich. Im Folgenden stellt sie sich selber kurz vor:
Zu meinem beruflichen Werdegang: Nach meinem Studium der englischen und spanischen Sprache verbrachte ich ein Jahr als Übersetzerin in Spanien, bevor ich dreißig Jahre lang in der Deutschen Welle im Nachrichtenbereich arbeitete und dort das redaktionelle Handwerk erlernte. Im Jahr 2000 lernte ich durch eine Empfehlung die Missionszentrale der Franziskaner und Pater Andreas Müller in Bonn kennen und konnte dort fast sechs Jahre lang nicht nur meiner journalistischen Tätigkeit als Mitarbeiterin für den „Missionsdienst“ fortsetzen, sondern auch das franziskanische Leben und Denken kennenlernen. Von dort aus führte mich mein Weg 2005 für ein halbes Jahr nach Kolumbien zur franziskanischen Kommission für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung.
Ich freue mich, dass ich nun wieder in franziskanische Gefilde zurückkomme, und hoffe auf hilfreiche Rückmeldungen von Autoren und Lesern. Zu erreichen bin ich über: hmaurer@ccfmc.net.
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Barfuß in den Fußspuren Jesu – Christuserfahrung und Nachfolge des Franz von Assisi Br. Niklaus Kuster OFMCap
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Warum lebt ein junger, kirchlich sozialisierter Mann um 1200, „als ob es Christus nicht gäbe"? Und dies im Zentrum einer Stadt, die bei 2000 Einwohnern über ein Dutzend Kirchen und monastischer Zentren verfügt? Die Antwort mag das Portal des Doms San Rufino andeuten, das eben damals entstand: Es zeigt das vorherrschende Gottesbild um 1200: Der romanische Weltengott thront, von Sonne und Mond assistiert, unermesslich erhaben über allem. Was soll dieser mächtige Welten-Christus zu tun haben mit dem Alltagsleben der Menschen, mit bürgerlichen Sorgen, Businessplänen, Festen und Karriereträumen?
„Der menschlichste aller Heiligen" schreibt über die erste Hälfte seines Lebens, er hätte „ohne Christus gelebt". Raoul Manselli übersetzt damit in die moderne Sprache, was Franz von Assisi in seinem Testament ausdrückt: „cum essem in peccatis" . Der junge Kaufmann macht zweifellos die religiösen Vollzüge der Bürgerschicht mit, geht sonntags in die Messe, beteiligt sich an den Fest-Prozessionen und pilgert mit seiner Sippe auch mal nach Rom. Doch der Glaube scheint für ihn im Rückblick ohne Einfluss auf sein Leben, Tun und Entscheiden. Für die Religion sorgt damals der Klerus, der in der Stadt vielfältig vertreten ist, jedoch kaum Schritt hält mit dem raschen Wandel der Zeit. Gefeierter Kult meint zudem noch lange nicht gelebte Spiritualität.
Gott selber zeigt sich überaus geduldig mit dem jungen Kaufmann, der über lange Jahre die Sonnenseiten des Lebens genießt. Der „Höchste" kann warten, bis Menschen ihn von sich aus suchen - und er erwartet den Suchenden dann an ungewohnten Orten. Doch davon später.
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Nota:
Mit jeweils einem Abschnitt aus einem längeren Beitrag von Br. Niklaus wollen wir in den kommenden Monaten die Impulse zum Jubiläumsjahr „800 Jahre franziskanische Bewegung“ fortsetzen – bis Ende 2009.

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